gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Was wir in unsere Gesundheit investieren und mit welchen Motiven wir es tun.

Der Markt für Gesundheitsprodukte und -leistungen boomt. Dabei halten die Produkte häufig nicht, was sie versprechen. Der Beitrag untersucht wann und warum der Bürger für seine Gesundheit in die eigene Tasche greift.

Der Markt für Gesundheitsprodukte und -leistungen wächst stetig. Dabei geht es längst nicht mehr allein um die Beseitigung von gesundheitlichen Beschwerden. Werbung und Medien vermarkten Gesundheit als Konsumgut und Gesundheitsprodukte als Investition in die eigene gesunde Zukunft, die wohl kaum jemand mit gutem Gewissen verweigern kann. Gesundheit ist dann kein bloßer Zustand mehr, sondern eine Entscheidung, die der Einzelne täglich auch mit seiner Geldbörse trifft. Allein im Jahr 2009 lagen die Ausgaben der privaten Haushalte für die Gesundheit bei 33 Milliarden Euro. Dabei stehen die Versprechen von Werbung und Medien häufig im Widerspruch zur fraglichen oder gar widerlegten wissenschaftlichen Wirksamkeit der Produkte.

Der Beitrag "Was wir in unsere Gesundheit investieren und mit welchen Motiven wir es tun" untersucht die Nachfrage nach insgesamt neun Produktgruppen und Dienstleistungen  und analysiert ob diese von Merkmalen wie Geschlecht, Alter, Region, Haushaltseinkommen und Bildung beeinflusst wird. Welche Motive, Ziele und Ängste verbergen sich hinter dem Konsum von Gesundheitsprodukten und -leistungen? Die Befragungsergebnisse können als Beitrag zur aktuellen Verbrauscherschutzdebatte diskutiert werden.

Ein Großteil der Befragten zeigt in der Umfrage des Gesundheitsmonitors ein vielschichtiges und entspanntes Verhältnis zur eigenen Gesundheit. Zwar ist die Mehrheit davon überzeugt, dass die eigene Gesundheit stark durch persönliches Handeln und die Lebenssituation beeinflussbar ist. Gesundheitliche Sünden gehören jedoch für die meisten Menschen genauso zum Alltag, wie regelmäßig gezielt etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Der Konsum von gesundheitsbezogenen Produkten und Leistungen erfolgt in der Regel bei konkreten Beschwerden und weniger im Sinne einer fragwürdigen Gesundheitsoptimierung. Weniger verbreitet ist daher der Versuch gesundheitsschädliches Verhalten mit gesundheitsbezogenen Produkten oder Verhalten auszugleichen. Hier erzielt die Befragung interessante Ergebnisse über die Gesundheitswahrnehmung von Rauchern: Tatsächlich versuchen Raucher noch weniger als Nichtraucher ungesunde Sünden auszugleichen. Teilweise nehmen sie das Rauchen nicht einmal als gesundheitsschädlich wahr. Überhaupt scheint dem Raucher seine Gesundheit weniger wichtig zu sein, denn er akzeptiert für sein Rauchen auch eine kürzere Lebenserwartung. Im Ganzen betrachtet die Mehrheit der Deutschen die Gesundheit zwar als hohes Gut, jedoch nicht als "höchstes Gut", dem sie alles andere unterordnen.

Trotz des relativ ausgeglichenen Verhaltens der Bevölkerungsmehrheit zum Thema Gesundheit, schätzen die Experten den Konsum von Gesundheitsprodukten kritisch ein: Viele Befragte überschätzten die Wirkung der gesundheitlichen Angebote. So fließt ein Großteil der Ausgaben für Gesundheit in Produkte, die nicht halten, was sie versprechen. Zum Schutz des Verbrauchers fordern die Experten eine realistischere Vermarktung der Produkte von Seiten der Anbieter. Zugleich sollte eine kritische Gesundheitsbildung der Bevölkerung bereits im Schulunterricht beginnen, um den Verbraucher vor unnützem Konsum zu schützen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.2 - Motive zur Nutzung gesundheitsfördernder Produkte und Dienstleistungen

    Was möchten Sie erreichen, wenn Sie Produkte oder Dienstleistungen für Ihre Gesundheit in Anspruch nehmen und aus eigener Tasche bezahlen? (in Prozent, Mehrfachnennung möglich)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=1.778
  • Abb.4 - Einflussfaktoren auf die Gesundheit aus Sicht der Versicherten

    Bitte geben Sie an, wie stark die nachfolgenden Faktoren Ihrer Meinung nach die Gesundheit eines Menschen beeinflussen? (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=1.778
  • Abb.5 - Zentrale Faktoren für eine gute Gesundheit

    Für wie wichtig halten Sie die nachfolgenden Aspekte für Ihre Gesundheit? (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=1.778