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Interventionelle Therapie bei Rückenschmerz

Rückenschmerzen zählen zu den klassischen Volkskrankheiten. Als schnelle Abhilfe für Patienten mit starken Schmerzen wird häufig die interventionelle Therapie eingesetzt. Der Beitrag diskutiert die umstrittene Spritzentherapie in einer Patientenbefragung.

Fast jeder Deutsche ist einmal im Leben von Rückenschmerzen betroffen. Die Behandlung des Schmerzes ist schwierig, da es sich beim Rückenschmerz nicht um eine klassische Erkrankung handelt, sondern um einen Symptomkomplex. Dieser wird vom Mediziner nach Ursache, Dauer, Schweregrad und Chronifizierungs-Stadium klassifiziert. Dabei unterscheidet der Facharzt zwischen spezifischen, auf eine Ursache zurückzuführende Rückenschmerzen und unspezifischen Schmerzen. An der Mehrzahl aller unspezifischen Schmerzen im Rücken sind Fehlbelastungen im Alltag schuld.

Im Mittelpunkt des Beitrags "Interventionelle Therapie bei Rückenschmerz" steht die Schmerztherapie mittels Medikamenteninjektion an der Wirbelsäule. Aktuelle Therapieempfehlungen der nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz lehnen die Spritzenbehandlung bei unspezifischem Rückenschmerz ab. Es liegen bislang keine wissenschaftlichen Beweise vor, dass die Spritzentherapie tatsächlich günstigere Effekte erreicht als andere konservative Verfahren. Demgegenüber steht der Wunsch der Patienten nach rascher Schmerzfreiheit, der mit einer Schmerzmittelinjektion verbunden wird. Der Beitrag stellt die kontrovers geführte Diskussion unter Fachleuten dar und beleuchtet anhand einer Versichertenbefragung wichtige Fragen zur Rückenschmerztherapie. Unter anderem ermittelt die Studie Ergebnisse zu den Patientenmotiven für eine Schmerzbehandlung durch Spritzen, die Notwenigkeit ausführlicher Patienteninformation sowie Faktoren für den Erfolg und Misserfolg der Injektionsbehandlung

Für den von Rückenschmerzen geplagten Patienten ist die schnelle Schmerzfreiheit der zunächst wichtigste Therapieaspekt – das zeigt die Patientenbefragung von 1.194 Kreuzschmerzpatienten. Hierauf folgt die Vermeidung eines operativen Eingriffes und einer dauerhaften Medikation. Bemerkenswert ist dennoch, dass die Therapieentscheidung für eine Spritzenbehandlung bei 93 % der Befragten maßgeblich auf Vorschlag des Arztes erfolgt. Ist eine Injektionstherapie verordnet, erfolgt diese selten isoliert, sondern ist in ein umfassendes Behandlungskonzept eingebunden. Dennoch ist ein Behandlungserfolg in vielen Fällen nicht gegeben. Ein Drittel der Befragten leidet trotz verschiedener Therapieverfahren weiter unter starken Schmerzen. Faktoren für einen Misserfolg der Behandlung sind häufig psychosozialer Art: Fühlt sich der Patient weiterhin körperlichen Belastungen im Beruf ausgesetzt, ist der Therapieerfolg gefährdet. Auch das Bildungsniveau des Patienten ist überraschenderweise von signifikanter Bedeutung. Je niedriger der Bildungsabschluss, desto wahrscheinlicher wird ein Misserfolg der Therapie. Diese psychosozialen Risikofaktoren sind für den Übergang von akuten zu chronischen Krankheitsverläufen von zentraler Bedeutung.

Auf Grundlage dieser Befragungsergebnisse verweisen die Experten auf die besondere Bedeutung des Arzt-Patientenverhältnisses für die Rückenschmerztherapie: Die meisten Betroffenen bringen ihr Hauptbedürfnis nach Schmerzfreiheit mit der Beseitigung der schmerzauslösenden Ursache in Verbindung. Gerade hier kommt den Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten durch den behandelnden Arzt eine entscheidende Bedeutung zu. Sie beeinflussen maßgeblich das Krankheitsverständnis der Betroffenen und damit auch den weiteren Krankheitsverlauf.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.2 - Einbindung der interventionellen Therapie in Behandlungskonzepte

    Therapie bei Rückenschmerzen

    Anagben in Prozent der Befragten
  • Abb.3 - Wichtigste Therapieziele im Geschlechtervergleich

    Zusammenhang zwischen verschiedenen Therapiezielen bei der Spritzenbehandlung und dem Geschlecht der Befragten

    Mehrfachangaben möglich
    Angaben in Prozent der Nennungen
  • Abb.5 - Rückenschmerz: Wer spritzt am häufigsten?

    Spritzen - Von welchem Arzt wird gespritzt?

    n = 1.559 Angaben; Mehrfachnennung möglich
    Angaben in Prozent der Nennungen
  • Abb.7 - Patienten wünschen sich mehr Informationen

    Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach weiteren Informationen und der ärztlichen Aufklärung über andere Behandlungsmöglichkeiten

    n = 1.016; p <= 0,000
    Angaben in Prozent der Befragten

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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