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Antibiotikaanwendung bei Kindern - Theorie und Praxis

Antibiotika sind die am häufigsten verordneten Wirkstoffe im ambulanten Bereich. Seit Jahren führt der intensive unkritische Gebrauch zur zunehmenden Entwicklung von Resistenzen, die eine Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung darstellen. Die Studie untersucht, wie die alarmierende Über- und Fehlversorgung bei Kindern vermieden werden kann.

Kinder sind besonders häufig von Infektionskrankheiten betroffen. Diese frühen Erkrankungen sind wichtig und schulen das Immunsystem. Allerdings zeigen Studien, dass gerade kleine Kinder im Vorschulalter besonders häufig mit Antibiotika behandelt werden. Zu häufig auch bei viralen Erkrankungen, für die Antibiotika gar nicht wirksam sind. Dabei kann der unkritische Gebrauch bei falscher Indikation fatale Auswirkungen haben: Innerhalb der Europäischen Union sterben jedes Jahr etwa 25.000 Patienten an Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien.

Im Frühjahr 2012 wurden Eltern in einer Sonderbefragung zu ihren Einstellungen bezüglich Indikation, Einnahme und Verordnung von Antibiotika befragt. Die Studie "Theorie und Praxis der Antibiotikaanwendung bei Kindern" analysiert so mögliche Ursachen für die häufigen Antibiotikaverordnungen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Eltern und Erziehungsberechtigte, da neben dem behandelnden Arzt auch sie entscheiden, ob ihr Kind ein Antibiotikum einnimmt. Analysiert wurde was Eltern über Antibiotika und deren Anwendung wissen und ob sie dieses Wissen für sich und ihr Kind konkret einsetzen können.

Das Ergebnis der Befragung zeigt: Eltern wissen viel über die Wirksamkeit von Antibiotika bei Bakterien und das Entstehen von Resistenzen. Offenbar können sie dieses Wissen jedoch vielfach nicht für sich und ihr Kind einsetzen. Die Experten vermuten, dass Eltern ihr Wissen über die Wirksamkeit von Antibiotika nur unzureichend auf die Anwendung bei einzelnen Krankheiten übertragen können, da ihnen grundsätzliches Wissen über die Entstehung der Krankheiten fehlt. Daher erwarten sie bei bestimmten Erkrankungen ihrer Kinder (z.B. Mittelohrentzündung) die Verordnung von Antibiotika, obwohl diese hier nicht oder nur nach "abwartender Beobachtung" indiziert ist. Um das Fortschreiten bestehender Resistenzen zu verhindern und eine Über- und Fehlversorgung zu vermeiden, ist eine stärkere Aufklärung der Eltern durch den Arzt notwendig. Zugleich sollten Ärzte die Erwartungen der Eltern gezielter hinterfragen und gegebenenfalls nicht erfüllen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.2 - Verhalten der Eltern im Umgang mit Antibiotika

    Direktes Verhalten der Eltern im Umgang mit Antibiotika bei sich und bei ihren Kindern

    Angaben in Prozent der antwortenden Eltern, Abweichung von 100% rundungsbedingt
  • Abb.4 - Erwartung einer Antibiotikaverordnung bei bestimmten Erkrankungen

    Erwartungen einer Antibiotikatherapie bei bestimmten Erkrankungen

    Angaben in Prozent der antwortenden Eltern
  • Abb.10 - Wissensstand der Eltern im Vergleich

    Vorhandenes Wissen im Vergleich - Eltern, deren Kinder antibiotisch behandelt wurden, und Eltern, deren Kinder nicht antibiotisch behandelt wurden

    Angaben in Prozent der antwortenden Eltern

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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