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Einflussfaktoren auf den Geburtsmodus: Kaiserschnitt versus Spontangeburt

Die Kaiserschnittrate in Deutschland steigt seit Jahren. Welche Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Schnittentbindung und wie beurteilen die Entbindenden die geburtshilfliche Betreuung? Die Studie analysiert die subjektive Perspektive von jungen Müttern auf das Versorgungsgeschehen rund um den Kaiserschnit.

In Deutschland kommen immer mehr Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 stieg die Kaiserschnittrate in Deutschland um zehn Prozentpunkte auf 32 Prozent - jedes dritte Kind kam folglich per Kaiserschnitt zur Welt. Die Ursachen für den Anstieg von Kaiserschnittentbindungen werden seit Jahren kontrovers diskutiert.

Welche Faktoren die Wahrscheinlichkeit für eine Kaiserschnittgeburt erhöhen, untersucht die Studie "Einflussfaktoren auf den Geburtsmodus: Kaiserschnitt versus Spontangeburt" anhand einer Befragung von 1504 bei der Barmer GEK versicherten Frauen. Hierfür vergleichen die Experten die Befragungsergebnisse von Müttern, die vaginal geboren haben mit jenen, die ihre Kinder durch einen primären oder sekundären Kaiserschnitt zur Welt brachten. Im Mittelpunkt der Befragung steht die Einstellung der Frauen zum Kaiserschnitt und ihre subjektive Einschätzung der Versorgung vor, während und nach der Geburt. Es zeigt sich im Vergleich, wie die Frauen die Betreuung durch Gynäkologen und Hebammen beurteilen und ob sie sich ausreichend über Ablauf und Folgen des Kaiserschnitts informiert fühlen.

Die Ergebnisse der Studie weisen auf ein deutliches Verbesserungspotential geburtshilflicher Versorgung hin. Dies betrifft besonders die Aufklärung der Frauen über die Risiken und Chancen einer Vaginalgeburt. Besonders hoch ist der Informationsbedarf der Frauen nach einer Kaiserschnittgeburt. Hier wird Müttern nur selten die Möglichkeit geboten ihre Erfahrung mit dem Klinikpersonal zu besprechen. Zugleich bekräftigen die Ergebnisse internationale Befunde, wonach die Wahrscheinlichkeit für eine Sectio erhöht ist, wenn bereits das erste Kind per Kaiserschnitt zur Welt gekommen ist (Re-Sectio), der Schwangerschaft eine Fruchtbarkeitsbehandlung voraus ging oder die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wurde. Auch geburtshilfliche Interventionen, wie medikamentöse Einleitung, Wehentropf oder die dauerhafte Überwachung der Herztöne erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Schnittentbindung. Auf Grundlage der Studienergebnisse empfehlen die Experten eine veränderte Ausbildung angehender Geburtsmediziner und eine Stärkung der Hebammentätigkeit.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.1 - Zufriedenheit mit der Betreuung rund um die Geburt

    Zufriedenheit mit der Betreuung in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett durch Gynäkologen und Hebammen

    Zufriendenheitseinschätzung von 1 = "sehr unzufrieden" bis 10 = "sehr zufrieden"
  • Abb.2 - Häufigkeit nachgeburtlicher Gespräche im Vergleich

    Häufigkeit nachgeburtlicher Gespräche mit dem Arzt, der Ärztin oder der Hebamme

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb.3 - Zufriedenheit mit der Aufklärung über Ablauf und Folgen eines Kaiserschnitts im Vergleich

    Zufriedenheit mit der Aufklärung über Ablauf und Folgen eines Kaiserschnitts durch Arzt bzw. Ärztin und Hebamme

    Signifikanztests: Chi2-Test; bezieht sich jeweils auf den Vergleich primärer gegenüber sekundärer Sectio
    Signifikanz: * <= 0,05, ** p <= 0,01, *** p <= 0,001
    Angaben in Prozent der Befragten; nur Frauen mit Sectio

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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