gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Palliativversorgung und Sterbehilfe

Die Mehrheit der Deutschen hat eine differenzierte Meinung zur Sterbehilfe. Im Arztzimmer wird das Thema jedoch weitgehend nicht angesprochen.

Patienten sind verunsichert

Mehr als jeder dritte Befragte in Deutschland (38 Prozent) kann sich vorstellen, sein eigenes Leben trotz palliativmedizinischer Angebote vorzeitig beenden zu wollen; bezogen auf andere Personen würden dies aber nur 14 Prozent entscheiden wollen. Zudem trauen sich 44 Prozent der Antwortenden nicht, diese Frage überhaupt zu beurteilen. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Gesundheitsmonitors, nachdem das Thema rund um das gesetzmäßige Verbot der „geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe“ im November 2015 öffentlich stark diskutiert worden ist. 73 Prozent der Befürworter von Sterbehilfe würden demnach schweren körperlichen Schmerzen am Lebensende aus dem Weg gehen wollen. Für 54 Prozent aus dieser Gruppe wäre der Verlust der eigenen geistigen Fähigkeiten Grund genug für eine verfrühte Lebensbeendigung.

Patienten vertrauen ihrem Arzt bei der Versorgung am Lebensende
Insgesamt bringen die Befragten der Ärzteschaft in Deutschland großes Vertrauen beim Thema Versorgung am Lebensende entgegen: So finden 66 Prozent, dass Ärzte einem Patienten, der unerträgliche körperliche Schmerzen hat, tödliche Medikamente verabreichen dürfen sollten (Tötung auf Verlangen). Immerhin 53 Prozent der Befragten sind (eher) der Ansicht, dass es Ärzten berufsrechtlich erlaubt sein sollte, Patienten auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin tödliche Medikamente zu verschreiben, die sie dann selbst einnehmen (assistierte Selbsttötung). Nur 19 Prozent in Deutschland möchte es Ärzten unter keinen Umständen erlauben, ihre Patienten bei der Selbsttötung zu unterstützen.

Studienautoren sprechen sich für eindeutige gesetzliche Regelung aus
Die aktuelle Rechtslage für die Versorgung am Lebensende unterstützt einen Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland. Laut den Autoren der Studie ist das im Sinne der Bundesbevölkerung. Jedoch befürchten sie, dass die schwammige Gesetzesformulierung, die Sterbehilfe „geschäftsmäßig“ verbietet und nur in einzelnen Ausnahmen zulässt, den so wichtigen Dialog über das Sterben zwischen Arzt und Patient behindert. Dafür spricht, dass nur vier Prozent der Befragten angeben, jemals mit ihrem Arzt über Sterbehilfe gesprochen zu haben. Die Autoren empfehlen daher, den Handlungsspielraum für Ärzte in Deutschland bei der Sterbehilfe straf- und berufsrechtlich eindeutig abzustecken: Nur, wenn Arzt und Patient wissen, was erlaubt ist und was nicht, können sie das Thema Sterbehilfe ernsthaft und sicher diskutieren.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 2

    Gründe für den Wunsch nach vorzeitiger Lebensbeendigung bei schwerer Erkrankung

    Angaben in Prozent der Befragten, Mehrfachangaben möglich
  • Abbildung 3

    Ärztliche Handlungen am Lebensende (wenn es dem selbstbestimmten Willen eines Patienten entspricht)

    Angaben in Prozent der Befragten; n = von 1.526 bis 1.566
  • Abbildung 5

    Bedingungen, unter denen Hilfe bei der Selbsttötung erlaubt sein sollte

    Angaben in Prozent der Befragten; n = 289 bis 1.012