gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Tatsächlich schlechter informiert, aber selbstbewusster in der eigenen Einschätzung – Wissen und Wahrnehmung von Patientenrechten in Deutschland von 2010 bis 2015

2015 glauben mehr Patienten als 2010, dass sie über ihre Patientenrechte Bescheid wissen; die Realität sieht jedoch anders aus.

Patienten wissen schlechter Bescheid

Die Kluft zwischen tatsächlichem und gefühltem Wissen der Bürger in Deutschland über ihre Patientenrechte ist von 2010 bis 2015 größer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesundheitsmonitors. Zum Beispiel weiß im Jahr 2015 jeder Dritte nicht, dass er bei seinem Arzt seine Patientenakte einsehen darf; 2010 war das nur jedem vierten Befragten nicht bewusst. Trotzdem denken viele Befragte, eigentlich gut über ihre Rechte im Arztzimmer Bescheid zu wissen: 28 Prozent schätzen 2015 ihr eigenes Patientenrechte-Wissen als „sehr gut/gut“ (2010: 21 Prozent) und nur noch 23 Prozent als „ausreichend/ungenügend“ (2010: 30 Prozent) ein.

Besonders sozial schwächere Schichten werden selbstbewusster im Arztzimmer
Jedoch denken 2015 nicht nur mehr Patienten in Deutschland als 2010, gut über ihre Patientenrechte Bescheid zu wissen. Die Patienten, die nach eigener Aussage gut über ihre Patientenrechte Bescheid wissen, haben 2015 fast doppelt so oft als 2010 keine Bedenken, diese im Arztzimmer auch tatsächlich wahrzunehmen. Dabei legen vor allem diejenigen Bevölkerungsgruppen ihre Zweifel ab, von denen man es eher weniger erwarten würde: Je niedriger zum Beispiel das Einkommen der Befragten, desto stärker steigt ihr Selbstbewusstsein beim Wahrnehmen ihrer Patientenrechte: Ähnlich sieht es bei der Bildung aus: 2015 denken bei den Befragten mit niedrigem Schulabschluss 15 Prozent mehr als 2010, dass ihr Arzt sie nicht schlechter behandelt, wenn sie ihm gegenüber ihre Rechte als Patient wahrnehmen.

Studienautoren empfehlen mehr Aufklärung für mündige Patienten
Laut den Studienautoren könnte die mediale Aufmerksamkeit rund um das 2013 verabschiedete Patientenrechtegesetz mit verantwortlich für die wachsende Kluft zwischen Wissen und Selbstbewusstsein der Deutschen beim Thema Patientenrechte sein. Die Strahlkraft des Gesetzes allein reicht jedoch anscheinend nicht aus, um Patienten in Deutschland so über ihre Rechte zu informieren, dass sie dazu imstande sind, ihrem Arzt auf Augenhöhe zu begegnen. Die Autoren empfehlen daher, sowohl Ärzte als auch Patienten in Deutschland stärker über das Thema Patientenrechte und die Chancen aufzuklären, die damit für beide Seiten einher gehen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Tatsächliche Patientenrechte 2010 und 2015

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abbildung 4

    Selbsteinschätzung des Wissens über Patientenrechte

    Angaben in Prozent der Befragten; Signifikanzniveau: *** p ≤ 0,001
  • Abbildung 5

    Wie nehmen Versicherte die Patientenrechte wahr? "Ich glaube, dass ..."

    Angaben in Prozent der Befragten; Signifikanzniveau: *p ≤ 0,05; ** p ≤ 0,01; *** p ≤ 0,001