gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Unterversorgung im ländlichen Raum – Wahrnehmung der Versicherten und Präferenzen für innovative Versorgungsmodelle zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten und wohnortnahen Gesundheitsversorgung

Fast jeder zweite Landbewohner klagt über unzureichende fachärztliche Versorgung; auch in der Stadt wird das zum Problem.

Viele Patienten fühlen sich unterversorgt

41 bis 51 Prozent der Landbewohner in Deutschland fühlen sich von einigen Facharztrichtungen unterversorgt. Das sind eindeutig mehr als in der Stadt, doch auch dort sind drei aus zehn Bewohnern (29-30 Prozent) unzufrieden mit ihrem Zugang zum Facharzt. Das hat eine aktuelle Studie des Gesundheitsmonitors ergeben. Dass die Reformbemühungen für die ärztliche Bedarfsplanung in Deutschland weiter Raum für Verbesserungen lassen, zeigt auch eine andere Zahl: Zwar sinkt die gefühlte Unterversorgung der Befragten mit zunehmender Ärztedichte in ihrem Kreis. Aber sogar in den Gegenden in Deutschland, die aus bedarfsplanerischer Sicht bis zu 110 Prozent überversorgt sind, fühlen sich trotzdem 15 bis 30 Prozent der Bewohner unterversorgt. Von den Möglichkeiten, ambulante medizinische Versorgung künftig erreichbarer zu machen, bevorzugen die Bürger ambulante Behandlungen im Krankenhaus (57 Prozent) oder in Gemeinschaftspraxen, in denen an bestimmten Tagen in der Woche unterschiedliche Haus- und Fachärzte arbeiten (54 Prozent).


Zu einem vertrauten Arzt und für kürzere Wartezeiten fahren Patienten weitere Wege
Die fachärztlichen Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land in Deutschland werden deutlicher, wenn man die Entfernung der Patienten zur nächsten Facharztpraxis betrachtet: Zum Beispiel müssen nur sechs Prozent der Stadtbewohner, aber 25 Prozent der Bewohner auf dem Land mehr als 20 Kilometer zu ihrem Hautarzt fahren. Zum Hausarzt dagegen fahren über 90 Prozent der Bewohner beider Regionen weniger als 10 Kilometer. Darüber hinaus scheint die Bereitschaft der Befragten groß, längere Anfahrten zum Arzt in Kauf zu nehmen: Nur 10 bzw. 4 Prozent haben Termine beim Haus- bzw. Facharzt verschoben oder nicht wahrgenommen, weil ihnen die Anfahrt zu beschwerlich war. Wichtiger als die Nähe der Arztpraxis zum Wohn- bzw. Arbeitsort (70 Prozent) sind den Befragten das Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt (90 Prozent) und kürzere Wartezeiten (80 Prozent).

Studienautoren plädieren für flexiblere ambulant-medizinische Bedarfsplanung
Laut den Autoren bestätigen die Studienergebnisse zwar die größere Wahrnehmung von Ärztemangel bei der Landbevölkerung. Jedoch mahnen sie an, dass die ärztliche Versorgungsplanung künftig auch Stadtbewohner in Betracht ziehen muss, von denen sich ein beträchtlicher Teil ebenfalls unterversorgt fühlt. Die Verfasser der Studie schlagen vor, künftig auch Pro-Kopf-Ärztedaten in der Bedarfsberechnung zu verwenden, um besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen zu können. Außerdem treten die Autoren dafür ein, in Zukunft mehr in gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu investieren, um weitere alternative Möglichkeiten der ambulanten Versorgung salonfähig zu machen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Unterversorgung aus Sicht der Versicherten: Stadt-Land-Disparitäten nach Fachrichtungen

    Angaben in Prozent der Befragten (je nach Fachrichtung n = 1.445 bis 1.525), die antworteten:
    »In dieser Fachrichtung gibt es zu wenig Ärzte«. Die Antwortkategorie »andere Fachärzte« bezieht sich nicht auf Zahnärzte.
  • Abbildung 7

    Wichtigster Grund für das Verschieben eines Arzttermins

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abbildung 10

    Akzeptanz der Modelle - Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Gebieten mit zu wenig Arztpraxen

    Angaben in Prozent der Befragten