gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Das deutsche Gesundheitswesen 2001 bis 2015 in der Versicherten-Perspektive

2015 sind sechs von zehn Versicherten insgesamt zufrieden mit dem Gesundheitssystem in Deutschland; einzelne Reformwünsche bestehen.

Kritik des deutschen Gesundheitswesen durch Versicherte

Patienten sind weitgehend zufrieden

Je hitziger öffentlich über Reformen im deutschen Gesundheitssystem gestritten wird, desto negativer fällt das Urteil über seine Qualität in der deutschen Bevölkerung aus. Unter anderem das hat eine neue Studie des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung ergeben: 2004, während einer Zeit heftiger Gesundheitsdebatten, forderten 74 Prozent der Bürger mindestens einschneidende Veränderungen im deutschen Gesundheitswesen. 2015 dagegen, als gesundheitspolitische Auseinandersetzungen moderater ausgefallen sind, sagten das nur 57 Prozent. Über die Jahre sind die Deutschen stets zufriedener mit ihrer Gesundheitsversorgung geworden; der Anteil der „sehr zufriedenen/zufriedenen“ Befragten ist von 44 Prozent 2004 auf 61 Prozent im Jahr 2015 gestiegen.


Eine große Mehrheit für das Solidaritätsprinzip unter gesetzlich Versicherten
Die Befragten, die am meisten mit dem Gesundheitssystem zu tun haben – das sind Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke oder ältere Menschen – sehen am wenigsten Reformbedarf. Zum Beispiel fällt auf, dass gesunde Jüngere (unter 40 Jahre alt) genauso oft unzufrieden sind wie kranke, ältere Befragte (46 bzw. 47 Prozent). Unbeeinflusst von den Reformwünschen der Befragten für das Gesundheitssystem in Deutschland bleibt das Solidaritätsprinzip der Gesetzlichen Krankenversicherungen: Von 2001 bis 2015 haben es immer mindestens sieben von zehn Befragten gerecht gefunden, dass Gutverdiener, junge und gesunde GKV-Versicherte in Deutschland die schlecht verdienenden, älteren und kranken Bürger unterstützen.

Studienautoren setzen auf mehr Dialog zwischen Politik und Bürgern
Laut den Autoren äußern die Versicherten in Deutschland zwar einzelne Reformwünsche für ihr Gesundheitssystem, sind mit seiner Qualität insgesamt aber zufrieden. Einzelne Sorgen der Bürger – zum Beispiel, dass künftig immer weniger Versorgungsleistungen finanziert werden können – teilen die Verfasser der Studie nicht, finden aber eine Erklärung dafür: Inhalte, Sinn und Zweck der vielen Gesundheitsreformen in Deutschland von 2001 bis 2015 hätten vom Gesetzgeber ausführlicher erklärt werden müssen. Laut den Autoren ist es daher wichtig, künftige Reformen vor allem inhaltlich verständlich für die deutsche Bevölkerung aufzuarbeiten.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1

    Gesamtbeurteilung der Reformbedürftigkeit des deutschen Gesundheitswesens (2001 bis 2015)

    Angaben in Prozent der Befragten; je nach Erhebungswelle n = 1.409 bis 1.780
  • Abbildung 3

    Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung insgesamt bei GKV-Versicherten (2001 bis 2015)

    »Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland? Denken Sie dabei bitte nicht nur an Ärzte und andere Gesundheitsberufe, sondern auch an die Verfügbarkeit von Behandlungseinrichtungen,
    an die Qualität der Versorgung im Krankheitsfall, an die Finanzierung des Gesundheitswesens
    usw.«
    Angaben in Prozent der Befragten; je nach Erhebungswelle n = 1.418 bis 1.785
  • Abbildung 6

    Effekte von Lebensalter und Gesundheitszustand auf die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung (2010 bis 2015)

    Urteil: weniger zufrieden, Angaben in Prozent der Befragten; n = 12.065