gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gesundheit – ein käufliches Produkt? Meinungen und Erfahrungen der Bevölkerung

Obwohl oder gerade weil für den Großteil der deutschen Bevölkerung eine ganzheitliche gesunde Lebensweise im Sinne der traditionellen Risikofaktorentheorie gar nicht oder nur begrenzt umsetzbar ist, wurden in den letzten Jahren immer mehr Produkte mit dem Label „Gesundheit“ vermarktet. Vor allem der Ernährungssektor, aber auch eine Vielzahl an wellnessorientierten Freizeitangeboten werben mit dem Versprechen, die Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Wer sind die Konsumenten und welche Motivation steht hinter dem Konsum, bzw. der Inanspruchnahme solcher Angebote?

Der Trend des „Gesundheitskonsumismus“ beschert einigen Playern der Gesundheitswirtschaft in Deutschland jährliche Umsätze in Milliardenhöhe. Selbst wenn gesundheitliche Effekte nur indirekt behauptet werden und wissenschaftliche Studien diese Behauptungen teilweise sogar widerlegen, werden immer mehr Produkte explizit und plakativ mit dem Label Gesundheit beworben. Die gesundheitsbezogenen Angaben auf solchen Produkten werden zwar seit dem Jahr 2012 einem strengen Prüfverfahren (EU-Health-Claims-Verordnung) unterzogen. Dennoch finden vor allem viele Lebensmittelhersteller Schlupflöcher in der Verordnung oder missachten bzw. fehlinterpretieren die rechtlichen Vorgaben. Trotzdem – der Markt von Gesundheitsprodukten floriert.

Ziel der Studie „Gesundheit – ein käufliches Produkt? Meinungen und Erfahrungen der Bevölkerung“ ist die Analyse von Verhaltensweisen, die sich als Merkmale von „Gesundheitskonsumismus“ interpretieren lassen. Es wird untersucht, aus welchen Motiven heraus diese Verhaltensweisen entstehen. Von weiterem Interesse ist, ob sich bei einzelnen Bevölkerungsgruppen, definiert über sozialstatistische oder gesundheitliche Merkmale, eine überdurchschnittlich stark ausgeprägte gesundheitskonsumistische Orientierung finden lässt und welche subjektiven Konzepte in der jeweiligen Gruppe herrschen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass insgesamt ein Drittel der Bevölkerung ein zumindest gelegentliches gesundheitskonsumistisches Verhaltensmuster aufweist. Der Einfluss des alltäglichen Gesundheitsverhaltens (z.B. Raucherstatus, Alkoholkonsum, sportliche Aktivität) konnte nicht festgestellt werden, was eine Kompensation von riskanten Verhaltensgewohnheiten als Motivation ausschließt. Ebenso scheint ein gesundheitskonsumistisches Verhaltensmuster nicht aus einem höheren Grad gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu resultieren. Charakteristisch für Personen mit gesundheitskonsumistischen Verhalten ist jedoch der häufige Kontakt zu Fachärzten, das Informationsverhalten hinsichtlich Nutzen und Risiken von Untersuchungs- und Therapiemethoden und die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gesundheitskonsumistische Tendenzen mit einer stärkeren Wertschätzung der Medizin und einem größeren, meist kognitiv vermitteltem Präventionsmotiv einhergehen.

Hinsichtlich sozialstatischer Merkmale zeigen die Daten, dass vor allem bei Personen mit höherer Schulbildung, höherem Einkommen und höherem sozioökonomischen Status gesundheitskonsumistische Verhaltenstendenzen häufiger zu finden sind. So gaben insgesamt 41 Prozent der befragten Personen in der Oberschicht aber nur 25 Prozent der Unterschichtangehörigen ein gesundheitskonsumistisches Verhaltensmuster an.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1: Verbreitung ausgewählter, mit Gesundheitsmotiven zusammenhängender Verhaltensweisen

    Verbreitung ausgewählter, mit Gesundheitsmotiven zusammenhängender Verhaltensweisen

    Angaben in Prozent der Befragten
    n = 1.700 bis 1.710
  • Abbildung 2: Genannte Motive für bestimmte gesundheitsbezogene und selbst bezahlte Verhaltensmuster

    Genannte Motive für bestimmte gesundheitsbezogene und selbst bezahlte Verhaltensmuster

    Anteile der Antwortkategorie "trifft zu" in Prozent; Mehrfachangaben möglich (maximal drei Antworten)
    n = 1.563
  • Tabelle 2: Zusammenhänge zwischen Gesundheitskonsumismus und verschiedenen Indikatoren des Gesundheitsverhaltens (Befragung des Jahres 2014)

    image Tabelle 2: Zusammenhänge zwischen Gesundheitskonsumismus und verschiedenen Indikatoren des Gesundheitsverhaltens (Befragung des Jahres 2014)