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Psychosozialer Stress am Arbeitsplatz: Indirekte Unternehmenssteuerung, selbstgefährdendes Verhalten und die Folgen für die Gesundheit

Die heutige Arbeitswelt ist gekennzeichnet durch einen Wechsel von direkten Steuerungsformen im Sinne des „Command and Control“ hin zu indirekten, ergebnisorientierten Steuerungsformen mit Merkmalen wie flexible Arbeitszeiten, leistungsabhängige Bezahlung oder Zielvorgaben. Welche Auswirkungen diese Steuerungsformen auf das Leistungsverhalten sowie die Gesundheit von Arbeitnehmern haben untersucht die vorliegende Studie.

Zahlreiche Studien belegen die zunehmende Verbreitung psychischer Belastungen in der Arbeitswelt mit negativen gesundheitlichen Folgen für die Arbeitnehmer. Parallel dazu haben sich in den letzten Jahren immer stärker indirekte Unternehmenssteuerungsformen durchgesetzt, die den Mitarbeitern mehr Flexibilität und Handlungsspielräume einräumen, ihnen gleichzeitig aber auch ein höheres Maß an Eigenverantwortung und Selbstorganisation abverlangen.

Die Studie „Psychosozialer Stress am Arbeitsplatz: Indirekte Unternehmenssteuerung, selbstgefährdendes Verhalten und die Folgen für die Gesundheit“ analysiert, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Arbeitsweise und das Leistungsverhalten von Arbeitnehmern haben und ob sie selbstgefährdendes Verhalten begünstigen. Sie untersucht zudem, welche Merkmale der indirekten Unternehmenssteuerung sich negativ auf die Gesundheit auswirken, und gibt Hinweise für eine gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitsbedingungen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Formen der indirekten Unternehmensführung in Deutschland mittlerweile weit verbreitet sind. Die Hälfte der Arbeitnehmer verfügt über weitgehend flexible Arbeitszeiten, bei 40 Prozent werden regelmäßig Zielvereinbarungsgespräche geführt. Ein gutes Drittel der Befragten gibt allerdings auch an, dass die Ziele schlecht dem eigenen Leistungsvermögen und der verfügbaren Zeit angepasst sind. Dementsprechend sehen sich gut 40 Prozent auch einer stetig zuspitzenden Zielspirale ausgesetzt und wissen häufig nicht, wie sie die anstehende Arbeit ganz bewältigen sollen. Die Mehrheit der Befragten berichtet zwar über Spielräume und Freiheiten bei der Durchführung der Arbeit. Diese Freiheiten schließen aber für einen Großteil Mitbestimmung bei der Menge der Arbeit und den genauen Zielvereinbarungen aus. Auch selbstgefährdendes Verhalten wie überlange Arbeitszeiten, das Durcharbeiten von Pausen oder das Arbeiten bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit sind bei den Befragten bereits relativ weit verbreitet.

Im Hinblick auf den Einfluss von indirekter Unternehmenssteuerung auf das Leistungsverhalten und die Gesundheit zeigt sich, dass vor allem Zielspiralen, flexible und selbstbestimmte Zeiteinteilung sowie unbezahlte Mehrarbeit zu selbstgefährdendem Verhalten führen und die Gesundheit negativ beeinflussen. Einen positiven Einfluss haben hingegen die Indikatoren Handlungsspielräume und das Führen über realistische Zielvorgaben.

Die Daten zeigen außerdem, dass selbstgefährdendes Verhalten zwar eine Schlüsselrolle in der Beziehung zwischen indirekter Unternehmenssteuerung und Gesundheit der Beschäftigten einnimmt, allerdings nicht komplett den negativen Effekt auf die Gesundheit erklären kann. Arbeitnehmer sind hier weiter gefordert, die Ursachen für psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu beheben und ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld zu schaffen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Tabelle 2: Ergebnisse der Regressionsanalyse, Art der Unternehmensführung auf selbstgefährdendes Verhalten

    image Tabelle 2: Ergebnisse der Regressionsanalyse, Art der Unternehmensführung auf selbstgefährdendes Verhalten
  • Tabelle 3: Ergebnisse der Regressionsanalyse Art der Unternehmensführung auf Beanspruchungsindikatoren: Arbeitszufriedenheit, Work-Life-Balance, habituelles Wohlbefinden, kognitiver Stress, persönliches Burnout, Einschlaf-/Durchschlafstörungen

    image Tabelle 3: Ergebnisse der Regressionsanalyse Art der Unternehmensführung auf Beanspruchungsindikatoren: Arbeitszufriedenheit, Work-Life-Balance, habituelles Wohlbefinden, kognitiver Stress, persönliches Burnout, Einschlaf-/Durchschlafstörungen
  • Abbildung 2: Wie häufig ist es in den vergangenen drei Monaten vorgekommen, dass Sie...