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Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die gesundheitliche Situation von atypisch und prekär Beschäftigten

Der Anteil atypischer und prekärer Beschäftigung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Gleichzeitig hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich nichtreguläre Beschäftigung negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Die Studie untersucht, ob es beobachtbare Unterschiede zwischen prekär bzw. atypisch und regulär Beschäftigten im Hinblick auf ihre gesundheitliche Situation gibt.

Atypische Beschäftigungsverhältnisse sind gekennzeichnet durch Merkmale wie Teilzeitbeschäftigung, Befristung oder Zeitarbeit. Sie fordern vom Arbeitnehmer ein hohes Maß an Flexibilität und bringen häufig auch finanzielle Nachteile für die Beschäftigten mit sich. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse zeichnen sich zusätzlich durch eine Komponente der Unsicherheit aus. Sie können typischerweise den Lebensunterhalt und die soziale Sicherung der Beschäftigten nicht dauerhaft garantieren.

Die Studie „Gesundheitliche Situation von atypisch und prekär Beschäftigten“ untersucht, ob es Unterschiede zwischen prekär und atypisch Beschäftigten im Vergleich zu regulär Beschäftigten hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes, ihres Gesundheitsverhaltens, ihres Präsentismusverhaltens sowie ihres Erlebens des Arbeitsumfeldes gibt. Die Autoren möchten so auch überprüfen, ob schon allein das Atypische an einer Beschäftigung zu Unterschieden im Vergleich zu Normalbeschäftigten führt, oder ob es zusätzlich des Erlebens von Unsicherheit bedarf.

Die Ergebnisse bestätigen zunächst den Trend, dass mittlerweile ein großer Teil der Beschäftigten in atypischen Arbeitsverhältnissen steht. Besonders häufig findet sich atypische Beschäftigung mit 40 Prozent jedoch bei den unter 30-Jährigen und mit 61 Prozent bei den über 60-Jährigen. Prekäre Beschäftigung findet man am häufigsten bei den Jüngeren und häufiger bei Frauen als bei Männern.

Im Hinblick auf den Gesundheitszustand zeigen die Ergebnisse, dass prekär Beschäftigte ihre Gesundheit subjektiv signifikant schlechter einschätzen als Normalbeschäftigte und atypisch Beschäftigte. Sie leiden auch häufiger unter Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Gelenkerkrankungen und nehmen öfter das Gesundheitswesen in Anspruch. Die höheren Inzidenzen von Erkrankungen bei prekär Beschäftigten können jedoch nicht auf ein schlechteres Gesundheitsverhalten und damit auf eine individuelle Verantwortung zurückgeführt werden. Die Daten zeigen, dass es hinsichtlich der Ernährung, des Gewichts und des Konsums von Tabak und Alkohol keine signifikanten Unterschiede zwischen prekär und atypisch Beschäftigten und Personen in Normalarbeitsverhältnissen gibt.

Bei der Frage nach Präsentismus, also dem Phänomen, dass man trotz Krankheit zur Arbeit geht, konnte die Studie keine Unterschiede zwischen prekär Beschäftigten und normal Beschäftigten feststellen. Prekär Beschäftigte lassen sich auch trotz ihres schlechteren Gesundheitszustands nicht häufiger krankschreiben. Allerdings zeigt sich ein Unterschied zwischen atypisch und normal Beschäftigten: Atypisch Beschäftigte gehen seltener krank zur Arbeit, nehmen sich seltener frei, wenn sie krank sind, und lassen sich auch seltener vom Arzt krankschreiben. Zudem zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen prekärer Beschäftigung und Normalbeschäftigung bei der Einschätzung der Zusammenarbeit mit Kollegen und Führungskräften. Personen in prekären Arbeitsverhältnissen bemängeln im Gegensatz zu normal oder atypisch Beschäftigten eine fehlende Unterstützung auf beiden Ebenen. Dieses Gefühl mangelnder Unterstützung in Kombination mit der Unsicherheit, die ein prekäres Arbeitsverhältnis mit sich bringt, kann wiederrum mit Einschränkungen des gesundheitlichen Wohlbefindens einhergehen. Hier könnten Vorgesetzte durch das Aufzeigen von Perspektiven mehr Sicherheit geben und so zu einer besseren gesundheitlichen Situation beitragen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 1: Soziale Merkmale von Normalbeschäftigten, atypisch Beschäftigten und prekär Beschäftigten (Angaben in Prozent der Befragten)

    Soziale Merkmale von Normalbeschäftigten, atypisch Beschäftigten und prekär Beschäftigten (Angaben in Prozent der Befragten)

    n = 2.963, Chi2, p < = 0,001
  • Tabelle 4: Regressionsmodelle zu Arbeit und Gesundheit

    image Tabelle 4: Regressionsmodelle zu Arbeit und Gesundheit