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Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Wie nimmt die Ärzteschaft Patientenrechte und das Patientenrechtegesetz wahr? Ergebnisse einer Ärztebefragung des Gesundheitsmonitors

Im Februar 2013 ist ein Patientenrechtegesetz in Kraft getreten, welches mehr Rechtssicherheit und Transparenz sowohl für Patienten als auch Ärzte gewährleisten sowie die die Durchsetzung von Patientenrechten verbessern soll. Doch werden diese Ziele mit dem Gesetz aus Sicht der Ärzte erreicht? Wie gut kennen Ärzte das Gesetz und Patientenrechte im Allgemeinen und hat das Gesetz Einfluss auf das Verhalten der Ärzte?

Bis Anfang 2013 wurden Patientenrechte schlicht durch Informationskampagnen vermittelt. Mithilfe von Informationsbroschüren sollte die Kenntnis über Patientenrechte innerhalb der Ärzteschaft und bei Patienten verbessert werden. Um dem Thema mehr Gewicht zu verleihen und in der Hoffnung, dass ein Gesetz eher befolgt wird als Aussagen in Informationsdokumenten, hat der Gesetzgeber im Februar 2013 schließlich das Patientenrechtegesetz (PatRG) erlassen.

Der Beitrag "Wie nimmt die Ärzteschaft Patientenrechte und das Patientenrechtegesetz wahr? Ergebnisse einer Ärztebefragung des Gesundheitsmonitors" untersucht den Kenntnisstand zum Thema Patientenrechte und PatRG unter den Ärzten sowie den Einfluss des PatRG auf das ärztliche Handeln. Die Autoren zeigen außerdem auf, ob es unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Ärzten aus dem niedergelassenen und stationären Bereich gibt und aus welchen Informationsquellen Ärzte ihre Kenntnisse nehmen.

Die Studie zeigt, dass die Ärzteschaft sowohl ihre Kenntnisse von Patientenrechten im Allgemeinen als auch ihre Kenntnisse des PatRG als recht gut einschätzt. So sagen rund 80 Prozent, dass ihr Kenntnisstand bei Patientenrechten gut oder sehr gut ist und knapp 70 Prozent geben an, dass sie wenigstens einige oder sogar die meisten bzw. alle Bestimmungen des PatRG kennen. In beiden Bereichen schneiden Krankenhausärzte dabei besser ab als niedergelassene Ärzte. Dieser Wissensvorsprung kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass Klinikärzte eher im Rahmen von internen Fortbildungsveranstaltungen über die rechtlichen Aspekte ihres Handelns aufgeklärt werden als die Ärzte im ambulanten Sektor. Dies spiegelt sich auch bei den Angaben der Informationsquellen wider. Für Klinikärzte stehen Fortbildungsveranstaltungen der Beschäftigungsstelle auf Platz zwei der Informationsgrundlagen zu Patientenrechten. Niedergelassene Ärzte sind stärker auf sich selbst gestellt und holen sich Informationen eher aus Fachliteratur, dem Internet und durch die Teilnahme an Ärztezirkeln. Weitere Einflussfaktoren, die sich positiv auf den Kenntnisstand über Patientenrechte bzw. das PatRG auswirken, sind Ansprache der Ärzte durch Patienten auf das Thema Patientenrechte, die Zugehörigkeit zu den operierenden Fachdisziplinen wie Chirurgie oder Orthopädie sowie ein höheres Alter.

Die Beurteilung darüber, ob das Gesetz zu mehr Rechtssicherheit geführt hat, ist gemischt: Gut die Hälfte der Ärzte gibt an, dass die Rechte der Patienten gegenüber dem Arzt mit der Einführung des PatRG gestärkt worden seien. Diesen Effekt sehen die befragten Ärzte für sich selbst jedoch nicht: Nur knapp ein Fünftel gibt an, dass das PatRG zu mehr Rechtssicherheit für Ärzte geführt hat und lediglich ein Viertel sieht die Transparenz erhöht. Aus Sicht der Ärzte hat das Patientenrechtegesetz jedoch zu einer höheren Belastung für Ärzte geführt: gut 70 Prozent der befragten Mediziner stimmten dieser Aussage zu. Im Hinblick auf den Handlungsspielraum bei der Auswahl von Therapien fühlt sich die Hälfte der Ärzte nicht eingeengt durch das PatRG, ein Viertel sagt jedoch, dass der Handlungsspielraum kleiner geworden sei.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 3: Kenntnisse der Bestimmungen des im Februar 2013 in Kraft getretenen PatRG

    Kenntnisse der Bestimmungen des im Februar 2013 in Kraft getretenen PatRG

    Gesundheitsmonitor Ärztebefragung 2014, n = 800
  • Tabelle 2: Gesamtbewertung des PatRG

    image Tabelle 2: Gesamtbewertung des PatRG