gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Wie möchten die Wähler verarztet werden? Gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse im Urteil der Bevölkerung

Die deutsche Gesundheitspolitik ist für den Laien nur wenig transparent. Gleichzeitig ist die Frage, wie die Entscheidungsprozesse strukturiert werden sollten, eines der dauerhaften Konfliktthemen der gesundheitspolitischen Debatte. Doch welchen Entscheidungsträgern vertraut die Bevölkerung und welche Entscheidungsformen wünschen sich die Wähler?

In der Gesundheitspolitik ist die Frage nach der richtigen Strukturierung der Entscheidungsprozesse ein dauerhaftes Konfliktthema. Wie viel direkte staatliche Steuerung sollte es geben, wie viel in den Händen der Gemeinsamen Selbstverwaltung von Leistungserbringern und Krankenkassen liegen? Und wie viel Wettbewerb braucht oder verträgt das Gesundheitswesen? Wie sich die Bevölkerung die Zukunft gesundheitspolitischer Entscheidungsformen vorstellt, zeigt der Beitrag "Wie möchte der Wähler verarztet werden? Gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse im Urteil der Bevölkerung". Ob die Bevölkerung die aktuellen politischen Entscheidungsgremien akzeptiert oder sich stattdessen andere Akteure wünscht, ermitteln die Experten anhand einer Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2012. Auf Grundlage der Befragungsergebnisse formuliert die Studie konkrete Empfehlungen für die zukünftige Gestaltung gesundheitspolitischer Entscheidungsprozesse.

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Bei gesundheitspolitischen Fragen bilden die Deutschen über parteipolitische Lager hinweg einen überraschend großen Meinungskonsens. Ein Großteil der Befragten wünscht sich, dass betroffene Akteure die gesundheitliche Steuerung übernehmen. Die deutlichsten Zustimmungswerte erzielen hier die Patientenverbände, für die sich 84 % der Befragten eine »eher« große Rolle in der Gesundheitspolitik wünscht. An zweiter Stelle stehen Ärztinnen und Ärzte (78% Zustimmung) und die Krankenkassen mit ihren Verbänden (67% Zustimmung). Erst dahinter rangieren mit knapp 26 % Zustimmung die demokratisch legitimierten Staatsorgane von Bundesregierung und Parlament. Als zentrale Form gesundheitspolitischer Entscheidungen wünschen sich 42 % der Befragten Verhandlungen zwischen Krankenkassen, Krankenhäusern und Ärzten. Der Wunsch nach einem Modell der Gemeinsamen Selbstverwaltung scheint damit in der Bevölkerung weitaus größer zu sein als das Vertrauen in politische Entscheidungsträger. Schlusslicht bilden die "Kräfte des freien Marktes". Lediglich 5% der Befragten sehen gesundheitspolitische Entscheidungen hier gut aufgehoben.

Die Experten empfehlen auf Grundlage der Befragungsergebnisse gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse in Zukunft näher an den Bürger zu bringen. Dieser sollte etwa über Bürgerforen und Zukunftswerkstätten an gesundheitspolitischen Prozessen teilhaben können. Außerdem sollten unabhängige Einrichtungen (z.B. Universitäten) eine größere Rolle für die Gesundheitspolitik spielen: Schließlich wünschen sich 60 % der Befragten einen stärkeren Einfluss unabhängiger Experten. Der Wettbewerb als Steuerungsinstrument genießt insgesamt nur eingeschränktes Vertrauen – wesentliche Reformstrategien der letzten Jahre stehen damit im Widerspruch zu den Wünschen der Bevölkerung.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.1 - Wie groß sollte Ihrer Meinung nach der Einfluss folgender Einrichtungen und Verbände auf die Gesundheitspolitik sein?"

    Der Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern (z.B. Ärzten, Krankenhäusern) um Verträge mit den Krankenkassen sollte verstärkt werden

    n = 1.276
    Angaben in Prozent der Befragten, Daten gewichtet
  • Abb.3 - Zustimmung zur Verstärkung des Krankenkassenwettbewerbs nach Wählerschaft der Parteien

    Wer sollte die Preise für Medikamente in Deutschland bestimmen?

    n = 1.337
    Angaben in Prozent der Befragten, Daten gewichtet
  • Abb.4 - Zustimmung zur Verstärkung des Wettbewerbs zwischen den Leistungserbringern um Verträge mit den Krankenkassen nach Wählerschaft der Parteien

    Wie groß sollte Ihrer Meinung nach der Einfluss folgender Einrichtungen und Verbände auf die Gesundheitspolitik sein?

    n = 1.429 bis 1.562
    Angaben in Prozent der gültigen Antworten, Daten gewichtet

Downloads zur Studie

Abstract (English)

Englischer Abstract zur Studie.

Abstract (English)
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