gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Neue gesundheitspolitische Wertschätzung der Prävention und Gesundheitsförderung – alte Verhaltensmuster in der Bevölkerung

Prävention und Gesundheitsförderung sollen als „vierte Säule“ im Gesundheitswesen verankert werden. Der Artikel untersucht, inwieweit primär- und sekundär­präventive Verhaltensweisen bei den Versicherten beobachtet werden können, wie es zu Änderungen im Gesundheitsverhalten kommt und welche Rolle der Hausarzt dabei spielt.

Drei positive Entwicklungen sind zu beobachten: es gibt immer mehr Nichtraucher, der Anteil der Sporttreibenden steigt und Vorsorgeuntersuchungen werden häufiger wahrge­nommen. Leider nimmt auch der Anteil adipöser Menschen zu. Am Beispiel Tabakkonsum wird gezeigt, dass die verhaltenssteuernden Wirkungen aufgrund der Erhöhung des Zigarettenpreises vor allem bei Menschen mit geringem Bildungsniveau und bei jüngeren Befragten auftreten. Auch Männer geben häufiger an in den letzten 12 Monaten mit dem Rauchen aufgehört zu haben; bei ihnen nimmt das Gesundheitsbewusstsein zu. Jeder fünfte Befragte hat in den letzten 12 Monaten sein Gesundheitsverhalten geändert, vor allem in den Bereichen Ernährung, Sport und Tabakkonsum. Gründe sind die Sorge um ihre Zukunft und nachlassende Fitness. Vor allem in den Gruppen der Adipösen und der schwer Adipösen werden besonders häufig Verhaltensänderungen berichtet. Drei Viertel aller Verhaltensänderungen finden ohne Hilfe eines Arztes statt. Im Bereich der Ernährung wird immerhin noch von 31 Prozent der Befragten der Hausarzt in Anspruch genommen, aber bei dem Verzicht auf Zigaretten oder der Aufnahme von sportlicher Betätigung spielt der Hausarzt kaum eine Rolle. Lediglich die Älteren suchen häufiger die Beratung durch den Arzt, wenn sie ihr Gesundheitsverhalten ändern wollen.

Präventive Verhaltensänderungen finden im Alltag der Menschen statt, ohne dass dafür ärztliche Leistungen in Anspruch genommen werden. Verhaltenssteuerung funktioniert auch außerhalb des Gesundheitswesens - wie es das Beispiel Tabakpreiserhöhung zeigt: hier können vor allem die erreicht werden, an denen klassische Gesundheitsförderungs­angebote vorbei gehen. Die Motivationen zur Verhaltensänderung liegen außerhalb des Einflusses von Ärzten und Krankenkassen. Versicherungsangebote greifen daher vielleicht daneben. Die tiefergehende Analyse von Motivation zur Änderung des Gesundheitsverhaltens ist notwendig.