gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Die chronisch Kranken und ihre speziellen Versorgungsprobleme

Das deutsche Gesundheitssystem ist auf die Versorgung chronisch Kranker bislang nicht optimal eingestellt. Besonders Modelle, die eine aktive Zusammenarbeit zwischen Arzt und Chroniker fördern, sollen hier Fortschritte bringen. Der Beitrag befragt chronisch Kranke zu ihren Erfahrungen im Versorgungssystem.

Schätzungen zufolge sind 40 Prozent der deutschen Bevölkerung chronisch krank. Als wichtigster Ansatz zur Lösung von Versorgungsproblemen gilt die umfassende Versorgung chronisch Erkrankter im Rahmen des Chronic-Care-Modells. In aktiver Zusammenarbeit sollen Patient und Behandlungsteam gemeinsam und partnerschaftlich die Behandlungsergebnisse verbessern. Voraussetzung ist allerdings, dass chronisch Kranke bereit sind eine aktive Rolle in der Krankheitsbewältigung anzunehmen.

Der Beitrag "Die chronisch Kranken und ihre speziellen Versorgungsprobleme" untersucht wie Chroniker ihre Gesundheitsversorgung erleben und ob sich hier Unterschiede im Vergleich zu nicht chronisch Kranken feststellen lassen. Inwieweit können und wollen chronisch Erkrankte eine aktive Rolle bei der Krankheitsbewältigung einnehmen und welche besonderen Bedürfnisse gilt es zu berücksichtigen?

Die Analyse der Befragungsergebnisse zeigt: Etwa die Hälfte der Befragten bezeichnete sich nach der in dieser Studie verwendeten Definition als chronisch Krank. Davon fühlte sich fast die Hälfte durch die chronische Krankheit in ihren täglichen Aktivitäten eingeschränkt. Insgesamt sind chronisch Kranke älter, häufiger weiblich und stammen häufiger aus einer niedrigen sozialen Schicht. Bei den Merkmalen Rauchen, täglicher Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Ernährungsgewohnheiten ließ sich jedoch kein signifikanter Unterschied zur Vergleichsgruppe nicht chronisch Kranker feststellen. Allerdings ist Übergewicht in der Gruppe der chronisch Kranken im Vergleich doppelt so häufig vertreten.

Chronisch Kranke bemühen sich stärker um ihre Gesundheit, stoßen dabei aber auch häufiger an die Grenzen ihrer Krankheit und deren Beeinflussbarkeit. Sie halten das eigene Gesundheitsverhalten eher für verbesserungswürdig als nicht chronisch Kranke. Zugleich tendieren sie jedoch zu der Annahme, ihren Gesundheitszustand nur wenig durch eigenes Handeln beeinflussen zu können und messen stattdessen der Qualität der ärztlichen Behandlung eine große Bedeutung bei. Hier stoßen Programme, die auf eine aktive Beteiligung der Patienten setzten, an Grenzen. Die Stärkung von Aktivität und Selbstkompetenz chronisch Kranker ist daher von großer Bedeutung. Ein vertrauensvolles Arztverhältnis wird hier ausschlaggebend sein. Positiv erscheint daher das Ergebnis, dass 96 Prozent der Chroniker einen Hausarzt haben und fast alle mit der hausärztlichen Versorgung zufrieden sind. 20 Prozent beklagen jedoch die Dauer des Behandlungsgespräches als unzureichend. Insgesamt weniger zufrieden sind chronisch Kranke mit der fachärztlichen Versorgung. Besonders lange Wartezeiten bis zum Termin werden als belastend empfunden. Auch erleben sie bei der Inanspruchnahme mehrerer Fachärzte in größerem Umfang Kommunikations- und Kooperationsprobleme als nicht chronisch Kranke. Bedenklich stimmt, dass mit dem Grad der Beeinträchtigung der Patienten auch die Häufigkeit der negativen Erfahrung wächst.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 3: Prozentsatz der aktiven Informationsbeschaffer nach Gründen

    Prozentsatz der aktiven Informationsbeschaffer nach Gründen

    Mehrfachnennungen möglich
  • Abb. 4: Prozentuale Inanspruchnahme des Gesundheitswesens durch chronisch Kranke

    Prozentuale Inanspruchnahme des Gesundheitswesens durch chronisch Kranke

  • Abb. 6: Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung

    Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung

  • Abb. 7: Zustimmung der DMP-Teilnehmer zu folgenden Statements

    Zustimmung der DMP-Teilnehmer zu folgenden Statements über DMP

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