gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Qualitätssicherung im Versorgungssystem: Patienten fordern weit reichende Veränderungen

Viele Patienten beklagen Qualitätsdefizite im deutschen Gesundheitssystem und wünschen sich eine effektive Qualitätssicherung und regelmäßige Qualitätskontrollen der medizinischen Versorgung. Der Beitrag analysiert, welche Konzepte der Qualitätskontrolle den Patienteninteressen entsprechen.   

 Die traditionellen Fortbildungsformen für Ärzte in Deutschland können im internationalen Vergleich nicht mehr überzeugen. Vortragsveranstaltungen und die Lektüre von Fachliteratur stehen weitreichenden Fortbildungskonzepten in Ländern wie den USA, Großbritannien oder den Niederlanden gegenüber. Hier wird die medizinisch-fachliche Kompetenz, aber auch die sozialkommunikative Qualifikation von Ärzten in einem mehrstufigen Verfahren überprüft, unter anderem durch Patientenbefragungen oder Bewertungen ärztlicher Kollegen.

 In einer repräsentativen Umfrage analysiert der Beitrag „Qualitätssicherung im Versorgungssystem: Patienten fordern weitreichende Veränderungen“ die Erfahrungen von Versicherten mit Defiziten im Versorgungssystem. Im Rahmen einer Umfrage unter 1500 Versicherten wurde ermittelt, welche ärztlichen Fortbildungs- und Zulassungsmaßnahmen die Bevölkerung als sinnvolle Qualitätssicherungsmaßnahmen einschätzt. Außerdem wird die Einstellung der Bevölkerung zum „Ärzte-Tüv“ und zu Arztbewertungsportalen untersucht.

 Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Die Befragten sehen einen deutlichen Verbesserungsbedarf für die Qualität der medizinischen Versorgung und fordern stärkere Qualitätskontrollen im Gesundheitssystem. Eine Mehrheit von 84 Prozent ist dafür, die Zulassung als Arzt an das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen auch noch im späteren Berufsleben zu binden. Dafür sollte die Zulassung für Ärzte nur für begrenzte Zeit (beispielsweise 10 Jahre) erteilt und regelmäßig geprüft werden. Falls Ärzte nicht zur Prüfung erscheinen oder mehrfach nicht bestehen, plädiert eine Mehrheit sogar für den Entzug der Zulassung. Ein Großteil der Bevölkerung sieht offenbar besonderen Nachhilfebedarf bei den sozialen und kommunikativen Fähigkeiten ihrer Ärzte. 96 Prozent der Befragten stimmen dafür, dass soziale und kommunikative Kompetenzen gleichgewichtig zu medizinischem Fachwissen für die Entscheidung der Arztzulassung berücksichtigt werden. Insgesamt erheben GKV-Versicherte sehr viel nachdrücklicher Forderungen zur Qualitätssicherung als privat Versicherte.

 Die Forderung der Befragten nach stärkerer Qualitätssicherung geht mit einer ausgeprägten Unzufriedenheit und Unsicherheit bezüglich der Zukunft der Versorgungsqualität einher. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist zum Zeitpunkt der Umfrage nur begrenzt oder gar nicht mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland zufrieden. Wiederum 59 Prozent äußern deutliche Kritik und fordern einschneidende Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswesens. Mehrheitlich befürchten die Befragten, dass sie im Alter nicht ausreichend medizinisch versorgt werden, die Wartezeiten für bestimmte Therapien oder Operationen zunehmen und die Krankenversicherung wichtige Leistungen zukünftig nicht mehr übernimmt. Als favorisierte Instrumente der Qualitätssicherung wünschen sich die Befragten Veränderungen in der Berufsausbildung der Ärzte. An zweiter Stelle steht das „Pay for Performance“- Konzept (78%) und 80 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die praktische Umsetzung eines "Ärzte-Tüv" die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern würde.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.1. - Negativerfahrungen beim Hausarzt

    Negativerfahrungen bei den letzten Hausarztbesuchen (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor Frühjahr 2009, 16. Erhebungswelle, N=1.239 bis 1.293
  • Abb.2. - Zustimmung zu Instrumenten der Qualitätssicherung

    Zustimmung zu unterschiedlichen Vorschlägen zur Stabilisierung der Kostensituation im Gesundheitswesen; Befragte, die dafür sind (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor Frühjahr 2009, 16. Erhebungswelle, N=1.423–1.438