gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Lesen Sie den Beipackzettel? Patientenwünsche zur Arzneimittelinformation

Arzneimittelinformationen im Beipackzettel sind für Patienten häufig unverständlich und bieten nicht die gewünschten Informationen. Häufig leidet darunter die Therapietreue und der Therapieerfolg. Der Beitrag untersucht, wie die Qualität und Verständlichkeit von Arzneimittelinformationen im Sinne des Patienten verbessert werden können. 

Beipackzettel sollen Arzneimittelhersteller rechtlich absichern und die Patienten optimal informieren. Zumindest letzteres scheint seltener der Fall zu sein. Viele Patienten kritisieren eine mangelnde Verständlichkeit und Lesbarkeit von Arzneimittelinformationen. Ein Drittel  beklagt, sich zusätzlich verunsichert statt ausreichend informiert zu fühlen.

Der Beitrag "Lesen Sie den Beipackzettel? Patientenwünsche zur Arzneimittelinformation" befragt die Bürger zur Qualität und Verständlichkeit von Arzneimittelinformationen in Deutschland. Im Mittelpunkt steht, ob Bedarf nach veränderten oder zusätzlichen Arzneimittelinformation in der Bevölkerung vorhanden ist. Außerdem wird ermittelt, wie die Versicherten zu Informationsangeboten der Pharmaindustrie stehen und inwiefern Werbung zu rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten gewünscht sind.

 Die Analyse der Befragungsergebnisse verdeutlich: Gut die Hälfte der Befragten bewertet die verfügbare Arzneimittelinformation in Deutschland als ausreichend. Lediglich 28 Prozent sind gegenteiliger Meinung und beklagen Informationsdefizite. Trotz der relativ hohen Zufriedenheit mit der Arzneimittelinformation wünschen sich zugleich 98 Prozent eine verständlichere Gestaltung der Beipackzettel. Der relativ geringe Anteil kritikäußernder Befragter darf also keineswegs über das deutlich existente Verbesserungspotential hinwegtäuschen.  

 Wenn es um die Verlässlichkeit von Informationen zur Medikation geht, vertraut eine große Mehrheit der Befragten in erster Linie auf ihren Arzt. 98 Prozent der Befragten gilt er als vertrauenswürdigste Informationsquelle, gefolgt von Stiftung Warentest und den Verbraucherschutzorganisationen. Wenig Vertrauen, wenn nicht sogar Skepsis, herrscht bei den meisten Befragten gegenüber Pharma-Unternehmen. Zwar wird der innovative Beitrag der Pharma-Branche bei der Entwicklung therapeutisch hilfreicher Produkte positiv hervorgehoben, bei der Vermarktung eigener Produkte fällt das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Pharmaindustrie jedoch gering aus. Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, Pharmaunternehmen seien stark am wirtschaftlichen Profit und wenig an der Gesundheit der Menschen interessiert und schließen daher beschönigende Darstellungen von Medikamenten und deren Nebenwirkungen nicht aus. Dementsprechend uneinig sind sich die Befragten, wenn es um die Legalisierung der in Deutschland verbotenen "Publikumswerbung" für rezeptpflichtige Medikamente geht. Während 33 Prozent es befürworten, dass pharmazeutische Unternehmen zukünftig auch über rezeptpflichtige Arzneimittel informieren dürfen, lehnen 29 Prozent dies ab und 38 Prozent sind unentschieden. Besonders ältere Befragte schenken Fernseh- und Zeitschriftenwerbung wenig Glauben. Statt freier Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel wünschen sich viele Befragte Arzneimitteltests unabhängiger Einrichtungen, wie beispielsweise der Stiftung Warentest. Auch individualisierte vom Arzt ausgedruckte Arzneimittelinformationen oder eine telefonische Auskunftstelle stoßen bei der Bevölkerung auf Zustimmung.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.2. - Bevölkerungsmeinung zur Arzneimittelwerbung

    Meinungen zur Arzneimittel-Werbung

    Quelle: Gesundheitsmonitor Herbst 2008, 15. Erhebungswelle, N=1.441 bis 1.446
  • Abb.4. - Die Pharma-Industrie im Urteil der Bevölkerung

    Befragte in Prozent, die dagegen sind (übrige: dafür oder weiß nicht), Pharma-Unternehmen Information auch über rezeptpflichtige Arzneien zu erlauben

    Lesebeispiel: 40% derjenigen, die sagen "Werbung für rezeptfreie Medikamente macht fast immer überzogene Versprechungen zur Wirkung“ sind dagegen, Pharma-Unternehmen Information auch über rezeptpflichtige Arzneien zu erlauben. Nur 18% sind dagegen, wenn solch überzogene Versprechungen nur selten erkannt werden.
    Quelle: Gesundheitsmonitor Herbst 2008, 15. Erhebungswelle, N=1.439 bis 1.445