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Psychische Gesundheit in Deutschland: Erkrankungen bleiben oft unentdeckt

Jeder dritte Deutsche erkrankt im Laufe eines Jahres an einer Depression. Viele psychische Erkrankungen werden jedoch nicht entdeckt und bleiben unbehandelt. Der Beitrag untersucht, wie eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation die hausärztliche Erkennungsrate psychischer Beschwerden verbessern kann.

 Nur wenige Patienten berichten beim Hausarzt von sich aus über psychische Probleme sondern berichten stattdessen von körperlichen Begleitsymptomen. Hausärzte wiederum fragen selten nach psychischen Belastungen und können psychische Erkrankungen leicht übersehen. Obgleich die hausärztliche Primärversorgung bei der frühzeitigen Identifikation und bedarfsgerechten Versorgung psychischer Erkrankungen eine zentrale Rolle spielt, ist die Erkennungsrate alarmierend gering: Lediglich 50 Prozent der psychischen Erkrankungen und nur ein Viertel der depressiven Störungen werden in der hausärztlichen Versorgung erkannt. Eine Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation könnte die Diagnoserate psychischer Beschwerden verbessern.

 Der Beitrag "Psychische Gesundheit in Deutschland: Erkrankungen bleiben oft unentdeckt" untersucht die Inanspruchnahme hausärztlicher Primärversorgung und psychotherapeutischer Sekundärversorgung bei psychischen Erkrankungen. Im Mittelpunkt steht, inwiefern die Arzt-Patienten-Interaktion für die Diagnose psychischer Beschwerden ausschlaggebend ist und wie verschiedene Patientengruppen das ärztliche Kommunikationsverhalten bewerten.

 Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Etwa ein Fünftel der Befragten hatte in den zwölf Monaten vor der Befragung einen Arzt oder einen Psychotherapeuten wegen psychischer Beschwerden kontaktiert. Der Hausarzt ist für die meisten Patienten die erste und für knapp zwei Drittel die einzige Anlaufstelle. Sieben Prozent suchen gleich einen Psychiater, Psychotherapeuten oder psychiatrische Behandlungsangebote auf. Mit dem Alter oder bei einer chronischen Erkrankung steigt die Inanspruchnahme einer Beratung wegen psychischer Beschwerden. Auch Frauen, Verwitwete und Geschiedene lassen sich besonders häufig professionell beraten. Auffällig ist, dass bei weniger als einem Viertel der Befragten, die wegen psychischer Beschwerden einen Arzt aufsuchten, auch eine Diagnose gestellt wurde. Der Hausarzt diagnostizierte nach Angaben der Patienten in lediglich acht Prozent der Fälle eine psychische Störung. Bei Psychiatern oder Psychotherapeuten waren es 53 Prozent. Dennoch ist eine deutliche Mehrheit der Befragten mit der Versorgung ihrer psychischen Beschwerden in beiden Versorgungsbereichen zufrieden.

 Patienten mit unbehandelten psychischen Beschwerden beurteilen die ärztliche Kommunikation im Vergleich kritischer als "Psychisch Unauffällige" oder "Psychisch Behandelte". Sie bemängeln häufiger, dass psychische Probleme nicht ausreichend zur Sprache kommen, suchen die Schuld jedoch überwiegend im eigenen Verhalten. Nur 25 Prozent nennen als Ursache ein abwertendes oder ignorierendes Verhalten des Arztes. Obgleich nur die Hälfte der Befragten mit psychischen Beschwerden diese im Gespräch mit dem Hausarzt thematisiert, verdeutlichen die Befragungsergebnisse jedoch deutliche Versorgungsdefizite in der Diagnostik psychischer Beschwerden und der Arzt-Patienten-Kommunikation. Versorgungsleitlinien zur Diagnostik und Therapie psychischer Störungen in der hausärztlichen Versorgung könnten die Identifikation psychischer Erkrankungen verbessern und eine optimale Behandlung fördern. Neben spezifischen Fortbildungskonzepten und geeigneten Qualitätsmanagementinstrumenten sollten Ärzte aktiver und routinemäßig nach psychischen Beschwerden fragen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Kritik am Kommunikationsverhalten des Hausarztes

    Kritik am Kommunikationsverhalten des Hausarztes, nach Patientengruppen (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor Herbst 2008, 15. Erhebungswelle, N=1.183 bis 1.248
  • Abb. 3. - Patientenkritik an der hausärztlichen Behandlung

    Kritik an Kompetenz und Behandlung des Hausarztes. Befragte in Prozent der jeweiligen Gruppe, die ...

    Quelle: Gesundheitsmonitor Herbst 2008, 15. Erhebungswelle, N=1.159 bis 1.244