gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Zur Bedeutung von Schnittstellen und Übergängen im deutschen Gesundheitssystem

In Deutschland existieren die einzelnen Gesundheitssektoren nebeneinander. Mangelnde Abstimmung oder Vernetzung zwischen Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen können zu ineffizienten Behandlungswegen führen und der Gesundheit der Patienten schaden. Welche Erfahrungen machen die Versicherten mit Schnittstellen im Versorgungssystem?  

Patienten wenden sich bei medizinischen Beschwerden häufig nicht nur an einen einzigen Arzt. Auf den Besuch beim Hausarzt folgt der Gang zu einem oder mehreren Fachärzten oder gar eine stationäre Behandlung auf die womöglich noch eine Rehabilitationsmaßnahme folgt. Diese Schnittstellen beim Übergang vom Haus- zum Facharzt, von der ambulanten zur stationären Behandlung oder vom kurativen zum rehabilitativen Sektor können zu Problemen führen: Kommunikations- und Koordinationsprobleme zwischen einzelnen Ärzten, Doppeluntersuchungen sowie widersprüchliche Informationen und Behandlungsvorschläge gehören nicht selten zur Patientenerfahrung.

Der Beitrag "Zur Bedeutung von Schnittstellen und Übergängen im deutschen Gesundheitssystem" analysiert die Antworten von 1.782 GKV-Versicherte zu ihren Erfahrungen im Übergang zwischen den Versorgungsbereichen. Anhand der Routinedaten von über 660 000 Versicherten der Barmer GEK wurde die Anzahl der Übergänge zwischen den einzelnen Behandlungssektoren für das Jahr 2010 ausgewertet. Anschließend konnten mittels der Befragungsergebnisse des Gesundheitsmonitors konkrete Probleme im Versorgungsmanagement identifiziert werden.

Die Auswertung von Routinedaten und Befragungsergebnissen zeigt: Ein großer Teil der Versicherten wird innerhalb eines Jahres in mehreren Sektoren behandelt. Schnittstellen oder Übergänge sind also in fast allen und besonders den höheren Altersgruppen alltäglich. Dazu kommt, dass ein erheblicher Anteil der Versicherten häufig bei mehreren Haus- und Fachärzten in Behandlung ist. Die konkrete Patientenerfahrung verdeutlicht: Die größten Probleme beim Übergang zwischen den einzelnen Versorgungsbereichen sind Doppeluntersuchungen, lange Wartezeiten und widersprüchliche Informationen zur Untersuchung, Behandlung und Heilungsaussicht. So berichten beispielsweise 25 % der Betroffenen an der Schnittstelle zwischen ambulanter und fachärztlicher Versorgung von Doppeluntersuchungen, 19 Prozent klagten über lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin und knapp 10 Prozent erlebten, dass ihr Hausarzt lange auf die Ergebnisse der fachärztlichen Behandlung warten musste. Obwohl seit 2007 die gesetzliche Pflicht zum Versorgungsmanagement besteht, kannten knapp 75 Prozent der Befragten das Angebot überhaupt nicht. Hier besteht ein deutliches Informationsdefizit.

Insgesamt weisen die Befragungsergebnisse darauf hin, dass sich Patienten beim Übergang zwischen ambulantem, stationärem und rehabilitativem Sektor häufig alleingelassen fühlen. Besonders bei der Krankenhauswahl und der Antragstellung auf eine Rehabilitationsmaßnahme wünschen sie sich eine stärkere Unterstützung ihrer Ärzte. Die Experten empfehlen die Erprobung von Versorgungsmodellen wie beispielsweise dem amerikanischen "medical home" auch in Deutschland. Außerdem könnten finanzielle Anreize eingesetzt werden, um die direkte Beratung und Vorbereitung von Patienten und den Informationstransfer zwischen den Versorgungsbereichen zu verbessern.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.5. - Probleme beim Übergang von Haus- zu Facharzt

    Probleme beim Übergang von der hausärztlichen zur fachärztlichen Behandlung (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=424
  • Abb.6. - Übergangsprobleme im Krankenhaus

    Probleme beim Übergang von der ambulanten zur stationären Behandlung (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=191
  • Abb.7. - Probleme beim Übergang zur nachstationären Behandlung

    Probleme beim Übergang von der stationären zur ambulanten nachstationären Behandlung (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2011, 18. Erhebungswelle, n=179 -191