gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Vertrauen und Gerechtigkeit - (wie) beeinflussen sie Einstellungen und Verhaltensweisen im Gesundheitswesen

Wenn Patienten sich in der Gesundheitsversorgung ungerecht behandelt fühlen, wirkt sich dies auf ihr allgemeines Systemvertrauen zum Gesundheitswesen aus. Der Beitrag untersucht wie Menschen mit geringem Systemvertrauen und großem Ungerechtigkeitsempfinden gesundheitspolitische Themen beurteilen.

Vertrauen und Gerechtigkeit sind wichtige Faktoren für das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft. Der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen, die Demographiediskussion und der stetige Umbau des Gesundheitswesens durch Gesundheitsreformen können das individuelle Vertrauen und das Gerechtigkeitsempfinden der Bürger im Gesundheitssystem beeinflussen. Ob die Bürger die herrschenden sozialen Verhältnisse für gerecht oder ungerecht halten, ermittelten die Experten im Beitrag des Gesundheits­monitors anhand von zehn Beispielen für ungleiche Gesundheitsversorgung von Kassen- und Privatpatienten.

Der Beitrag "Vertrauen und Gerechtigkeit – (wie) beeinflussen sie Einstellungen und Verhaltensweisen im Gesundheitswesen?" untersucht wie sich niedriges Vertrauen und hohes Ungerechtigkeitsempfinden auf die Beurteilung verschiedener Bereiche der Gesundheitsversorgung auswirken. Die Studie konzentriert sich auf Personen und Gruppen, die ein geringes Systemvertrauen sowie ein großes Ungerechtigkeitsempfinden haben. Was macht diese Gruppe aus und wie verhält sie sich in bestimmten Situationen der Gesundheitsversorgung? Lässt sich ein mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem durch Aufklärungsangebote beeinflussen?

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Ein schwaches Systemvertrauen und starkes Ungerechtigkeitsempfinden treten häufiger bei chronisch Kranken und älteren Menschen sowie Personen mit niedrigerem Schulabschluss und geringerem Einkommen auf. Außerdem sind Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung deutlich häufiger unter den Befragten ohne Systemvertrauen. Insgesamt schneidet das Systemvertrauen in der Bevölkerung jedoch nicht schlecht ab. Ein Großteil der Befragten schenkt dem aktuellen Gesundheitssystem ein mittleres Systemvertrauen (73,6%), während 12,7 Prozent großes Vertrauen zum Gesundheitswesen haben. Jedoch gaben immerhin 13,8 Prozent der Befragten an, kein oder nur ein sehr geringes System­vertrauen zu besitzen. Als besonders ungerecht empfinden die Bürger die ungleiche medizinische Versorgung von Kassen- und Privatpatienten. Selbst Privatpatienten, die vermeintlichen Nutznießer einer besseren Behandlung, beurteilen die Versorgungsunterschiede zu einem großen Anteil als ungerecht. Für das Systemvertrauen ist neben dem Gefühl ausreichend über die Folgen von Gesundheitsreformen für die persönliche Gesundheitsversorgung informiert zu werden, besonders die individuelle Versorgungserfahrung ausschlaggebend. Informationsanbieter des Gesundheitswesens müssen sich daher bewusst sein, dass Einzelerfahrungen einen mindestens ebenso großen oder größeren Einfluss auf das Systemvertrauen haben können wie die Darstellung von Informatio­nen oder Qualitätsindikatoren in Broschüren oder Informationskampagnen. 

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb.3. - Geringes Systemvertrauen erhöht den subjektiven Informationsbedarf

    Wie gut fühlen Sie sich über die Auswirkungen von Reformen auf Ihre persönliche Gesundheitsversorgung informiert? (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2010, 17. Erhebungswelle, n=1.789
  • Abb.4. - Reformwille und Systemvertrauen

    Anteil der Personen mit geringem oder starkem Systemvertrauen die ausgewählten Reformoptionen zustimmen (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2010, 17. Erhebungswelle, n=1.789
  • Abb.2. - Systemvertrauen und Informationsbedarf

    Zusammenhang zwischen Systemvertrauen und der Intensität der Nutzung von Informationsquellen (in Prozent)

    Quelle: Gesundheitsmonitor 2010, 17. Erhebungswelle, n=1.789