gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gesundheitsreformen im Urteil der Versicherten

Reformpläne im Gesundheitswesen verursachen häufig ein heftiges Medienrauschen in Deutschland. Selten wird dabei die Meinung der Versicherten in diesem Kontext in die Diskussion miteinbezogen. Die wenigen existierenden Bewertungen von Versicherten decken bestenfalls nur Teilaspekte ab. Der Beitrag hat die Zielsetzung, eine themenübergreifende Bilanz früherer Gesundheitsreformen aus Sicht der Bevölkerung zu ziehen.

Reformpläne zu trockenen Themen wie bspw. dem Morbi-RSA oder dem DRG-System sprengen in der Regel den Erfahrungshorizont von Versicherten. Diese werde folglich nur geringfügig in die Diskussion miteinbezogen. Vergangene Reformen lassen sich jedoch durchaus durch Versicherte aufgrund persönlicher Erfahrungen bewerten. Für eine themenübergreifende Bilanz früherer Gesundheitsreformen aus Sicht der Bevölkerung hat der Beitrag folgende Themen ausgewählt: Die Differenzierung des finanziellen Rahmens bei der Krankenversicherung durch Wahltarife  für neue Versorgungsstrukturen und -modelle, Maßnahmen zur Stärkung der Patienteninformation und –beratung und die Patientenquittung und Elektronische Gesundheitskarte als Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz.   

Die Einführung neuer Versorgungsmodelle und Wahltarife war in früheren Jahren häufig Teil von Gesundheitsreformen. Während hierbei die Bekanntheit von monetären Wahltarifen deutlich gestiegen ist, bleibt die Bedeutung monetärer Wahltarife für GKV-Versicherte jedoch weiterhin gering. Als ein überaus attraktives Reformpaket können die monetären Wahltarife nicht bezeichnet werden: Neben einer bescheidenen Resonanz werden auch Strukturmerkmale, die für Solidarität und soziale Gerechtigkeit stehen, eingebüßt.

Dem hingegen hat sich die Teilnehmerquote am Hausarztmodell innerhalb des Zeitraums von Herbst 2004 bis Frühjahr 2009 von neun auf 26 Prozent gesteigert. Allerdings hat dies keinerlei Einfluss auf wahrgenommene Qualität der Versorgung.  Es lässt sich zudem vermuten, dass die hohen Teilnahmequoten an den Hausarztmodellen auf einem schlichten Mitnahmeeffekt beruhen. Betrachtet man dagegen die Nutzerquoten von Chroniker- bzw. Disease-Management-Programmen (DMPs), so scheinen diese Versorgungsmodelle bei Chronikern auf große Zustimmung zu stoßen und aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive auch sinnvoll zu sein. Ob die Bevölkerung den Reformschritt jedoch tatsächlich eindeutig als positiv bewertet, ist aufgrund von Boni und Gratifikationen fraglich.

Weitere Inhalte von Gesundheitsreformen früherer Jahre umfassen Maßnahmen zur Transparenz im Versorgungsbereich durch eine Erhöhung der Patienteninformation. Hierzu gehört auch die Einrichtung der Unabhängigen Patientenberatung. Zwar unterliegen diese Beratungsstellen noch gewissen Vorbehalten, dennoch steigt die Häufigkeit der Inanspruchnahme dieser Einrichtungen. Insgesamt ist die Resonanz hinsichtlich der vielfältigen neuen Ansätze jedoch noch gering. Zwar steigt die Bekanntheit solcher Angebote, doch es ist aktuell beispielsweise nicht empirisch belegbar, ob die Veröffentlichung von Qualitätsdaten auf Internetportalen zur Auswahl von Kliniken, Ärzten oder Pflegeheimen die Inanspruchnahme dieser Versorgungsangebote nachhaltig in Richtung einer höheren Versorgungsqualität verändert. Insbesondere die Patientenquittung trägt nicht zu einer Verbesserung der Transparenz des Versorgungsgeschehens bei. Nur extrem wenige Patienten (etwa 2,4 Prozent der GKV-Versicherten) haben bereits einmal eine Patientenquittung vom Arzt verlangt.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 3. - Hausarztmodell: Teilnahme, Nachfrage und Angebot im Vergleich

    Aktuelle Teilnahme am Hausarztmodell, Wahrscheinlichkeit zukünftiger Nutzung, Angebot eines Hausarztmodells von der eigenen Kasse

    n = 9.265
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 4. - Hausarztmodell und Disease-Management-Programme im Patientenurteil

    Bewertung verschiedener Indikatoren von Teilnehmern an neuen Versorgungsmodellen

    Antworten »stimme sehr zu« und »stimme eher zu«
    n > 1.000
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 7. - Wo informieren sich Bürger über Ärzte und Praxen?

    Erwartungen an Beratungseinrichtungen nach verschiedenen Merkmalen

    Aussage »stimme voll zu«
    n > 1.225
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5. - "nur Erkrankung und Schicht"

    Wie geeignet sind diese Medien und Quellen, um sich über Ärzte und Praxen zu informieren?

    n > 1.438
    Angaben in Prozent der Befragten