gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Bürgerorientierung in Gesundheitssystemvergleichen und nationalen Qualitätsberichten

Welche medizinischen, epidemiologischen, ökonomischen oder auch gesundheitspolitischen Kriterien können für die Bewertung und möglicherweise auch die Veränderung eines Gesundheitssystems herangezogen werden? Die Studie beschäftigt sich mit dieser Frage und untersucht insbesondere, ob auch Patientenorientierung Teil solcher Gesundheitssystemvergleiche ist.

Das Feld der medizinischen Machbarkeit hat sich in den vergangenen Jahren erweitert. Dieser medizinische Fortschritt sorgt für einen zunehmenden Kostendruck, der auf die Gesundheitssysteme lastet. Daher verwundert es nicht, dass das Interesse an internationalen Gesundheitssystemvergleichen in der Politik und bei Interessenverbänden gestiegen ist. Der Blick über den nationalen gesundheitspolitischen Tellerrand ist bei der Suche nach Lösungsstrategien zur Finanzierbarkeit und Ressourcenallokation im Gesundheitswesen vermehrt umgesetzt worden. Die Studie hat diesbezüglich Untersuchungen angestellt, die einen Überblick über die Situation in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien geben und fasst Ergebnisse aus Studien des Commonwealth Fund, des Health Consumer Powerhouse der OECD und WHO zusammen.

So wird beispielsweise das US-Gesundheitssystem in Vergleichen von Gesundheitssystemen in der Regel als extrem teuer, ungerecht hinsichtlich der Zugangschancen und begrenzt effizient beschrieben. Die Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der gesundheitlichen Versorgung wird zudem durch einen Bericht der Agency for Healthcare Research and Quality überprüft und verbessert. Der Ungleichheitsbericht „National Healthcare Disparities Report“ ergänzt diesen Qualitätsbericht und basiert ebenso auf den vier Dimensionen Effektivität, Patientensicherheit, Rechtzeitigkeit und Patientenzentrierung. Die Studie bewertet das Merkmal der Patientenzentrierung dabei als eine recht schlichte Dimension, da sie nicht über die Perspektiven der Versorgungsforschung hinausgeht und sich auf eine rein medizinische Ebene beschränkt.  

Der Gesundheitssystemvergleich der OECD-Staaten basiert im Allgemeinen auf den Bewertungsdimensionen von Kelley und Hurst (2006). Dabei hat sich gezeigt, dass das Merkmal der Effektivität in allen Systemen als Kennwert auftaucht, während Merkmale wie Akzeptanz oder Nachhaltigkeit eher selten sind. Das Merkmal der Patientenzentrierung findet sich in fünf von sieben Bewertungskatalogen. Allerdings bestehen Diskrepanzen zwischen den theoretischen Konzepten und der empirischen Umsetzung. Deutlich wird dies am Beispiel der Patientenzentrierung: Zwar ist diese häufig im theoretischen Konzept aufgelistet, allerdings fehlt diese in der Praxis häufig gänzlich oder wird als zukünftige Entwicklung deklariert.

Der World Health Report der WHO hat neue Kriterien in den Gesundheitssystemvergleich eingeführt. Zwar wurde die methodische Umsetzung (z.B. nur Expertenbefragungen) anfänglich kritisiert, die Einführung von Kriterien wie „responsiveness“ (Würde des Patienten, Vertraulichkeit, Mitbestimmung etc.) haben die Bürgerorientierung von Gesundheitssystemvergleichen fraglos erhöht.

Die Studie stellt heraus, dass sich insbesondere Bevölkerungsumfragen eignen, um Gesundheitssysteme zu bewerten. Das Heranziehen rein objektiver Indikatoren zur Bewertung von Gesundheitssystemen erfasst nur unzureichend die Qualität eines Gesundheitssystems. Ohnehin gilt es die Bewertungsmerkmale auf ihre inhaltlichen Bewertungskriterien zu überprüfen und diese ggf. zu verändern oder zu ergänzen.