gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Gesundheitsfragen - Information und Wissen der Bürger

Das Thema Patienteninformation hat in den vergangenen Jahren verstärkt Eingang in die Gesundheitspolitik gefunden und hat die Liste der Forschungsprojekte und Angebote deutlich erweitert. Der Beitrag ermittelt die Informiertheit und den Wissensstand der Bevölkerung hinsichtlich des Gesundheits- und Versorgungssystems und zeigt, inwieweit diese Informationen als verbesserungswürdig einzustufen sind.

Zwar zeigen Forschungsergebnisse, dass informierte Patienten zufriedener und weniger belastend für das Versorgungssystem sind, dennoch wird der „informierte Patient“ zur Lösung von Problemen im Gesundheitswesen selten herangezogen. Patienten fehlt es dabei insbesondere an grundlegenden Kenntnissen wie das Wissen über Patientenrechte, Beratungs- und Informationsmöglichkeiten zu Therapien, über „IGeL“ und „Generika“. Dennoch sieht das vorherrschende Konzept es vor, dem Patienten eher möglichst viele Detailinformationen über Krankheitsursachen/-symptome, Therapieformen o. Ä. zur Verfügung zu stellen. Gerade die Wissensdefizite über Rahmenbedingungen schränken jedoch präventiv und kurativ orientierte Verhaltensoptionen ein.

Der Beitrag analysierte verschiedene Aspekte zum Informationsverhalten, Wissensstand und Handlungsroutinen sowie zum Kenntnisstand über Leistungen, die beim Arztkontakt eine Rolle spielen können (IGeL, Patientenquittung, Arzthonorare). Auch miteinbezogen wurde der Wissensstand über den Nutzen und die Risiken von Früherkennungsmaßnahmen sowie Meinungen über Generika und Internetapotheken.

Aus den Ergebnissen des Gesundheitsmonitors lässt sich für das Angebot an Patienteninformationen insgesamt ein mangelhaftes Zeugnis herauslesen. Die vorhandenen Informationen bestehen zu 90 Prozent aus für Laien aufbereitetem medizinischem/naturwissenschaftlichem Wissen und vernachlässigen im Gegenzug die Förderung des Verständnisses des Gesundheitssystems. Hierfür im Internet vorhandene Informationen sind Mangelware und zudem eher für Mediatoren und Funktionsträger konzipiert als für Laien. Auch im Rahmen des Gesundheitsmonitors gestellte Fragen sind teils mangelhaft bis hin zu ungenügend beantwortet worden. Eine überaus große Zahl von „weiß nicht“-Antworten ist hierfür ein erster Indikator. So antworteten beispielsweise 35 bis 55 Prozent mit „weiß nicht“ bei Fragen zu IGeL. Besonders deutlich werden Wissenslücken insbesondere beim Thema „Nutzen und Risiken von Früherkennungsuntersuchungen“: In diesem Fall ist nur jeder Siebte als kompetent einzustufen. Selbst Versicherte mit persönlichen Erfahrungen mit Früherkennungsuntersuchungen haben sich häufig im hohen Maße geirrt. Neben unzureichender Publikationsaktivität der Wissenschaft scheint somit auch ein massives Versagen in der ärztlichen Praxis vorzuliegen.

Weiter zeigen die Ergebnisse, dass das Informationsverhalten der Versicherten einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie hoch der Kenntnisstand ist. So irren beispielsweise Befragte, die sich eher selten im Internet und in Büchern Gesundheitsinformationen einholen, unabhängig vom Bildungsstatus häufiger und haben größere Wissenslücken. Eine gegenläufige Tendenz zeigen die Ergebnisse für die Personen, die ihren Arzt sehr häufig als Informationsquelle nutzen: Sie weisen größere Wissenslücken auf.

Basierend auf den Ergebnissen der Studie zeigt sich, dass Wissen durch Medien und Formen der Berichterstattung beeinflussbar ist. Während in diesem Zusammenhang die Informationspolitik von Krankenkassen überprüft werden sollte, scheint hinsichtlich der Patienteninformationen im Internet hier vor allem eine Erweiterung des Gestaltungsauftrags notwendig um dem begrenzten Wissen zu begegnen. Zudem sollte eine stärkere Evidenzbasierung angestrebt werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1. - Für Gesundheitsinformationen genutzte Medien

    Für Gesundheitsinformationen genutzte Medien

    n = 1.685
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5. - Früherkennungsuntersuchungen:Internet und Bücher sind zuverlässigere Informationsquellen.

    Starke Fehleinschätzungen von Früherkennungsuntersuchungen in Abhängigkeit von der Art und Häufigkeit genutzter Medien

    n = 1.555
    Angaben in Prozent der Befragten