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Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Bewertung von Kosten und Nutzen in der gesetzlichen Krankenversicherung: Einstellungen der Versicherten

Um knappe finanzielle Ressourcen bei der Medikamentenverordnung effizient einzusetzen, sind effektive Methoden zur Kosten-Nutzen-Bewertung medizinischer Leistungen notwendig. Wie der Patientennutzen von Arzneimitteln zu ermitteln ist, bleibt umstritten. Wie sollte aus Sicht der Versicherten die Kosten-Nutzen-Bewertung in der GKV gestaltet werden?

Neue Medikamente oder medizinische Verfahren werden nur dann von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, wenn sie einen Zusatznutzen gegenüber der herkömmlichen Behandlung bieten. Außerdem sollte der Nutzen der Behandlung in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten stehen. Als unabhängiges wissenschaftliches Institut untersucht das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) den Nutzen und Schaden von medizinischen Maßnahmen für die Patienten und liefert die Entscheidungsgrundlage für das Setzen von Höchstbeträgen. Ist eine Behandlung teurer als der Höchstbetrag, muss der Patient die Differenz selbst bezahlen.

 Der Beitrag "Kosten-Nutzen-Bewertung in der Gesetzlichen Krankenversicherung: Einstellungen der Versicherten" untersucht wie GKV-Versicherte zur Abwägung der Kosten und Nutzen von Arzneimitteln stehen und wie sie die Festlegung von Höchstbeträgen bewerten. Welche Kriterien sind aus Sicht der Bevölkerung für den Nutzen eines Medikaments ausschlaggebend?

 Ein Großteil der GKV-Versicherten zeigt sich gegenüber der Kosten-Nutzen-Bewertung grundsätzlich aufgeschlossen. Besonders Personen mit gutem Gesundheitszustand und höherem Einkommen unterstützen das Prinzip, die Kosten für neue Medikamente nur zu erstatten, wenn ein höherer Nutzen im Vergleich zum herkömmlichen Medikament vorliegt. Ein kleinerer Anteil von 29 Prozent möchte stattdessen, dass die gesetzliche Krankenkasse grundsätzlich für alle neuen Medikamente die Kosten übernimmt. Die meisten Befragten fordern, dass zusätzliche Kriterien neben der reinen Gesundheitsverbesserung bei der Bewertung neuer Arzneimittel berücksichtigt werden. Besonderen Wert eines Medikaments sehen die GKV-Versicherten in der Vermeidung von Schmerzen sowie Angst- und Depressionszuständen. Auch die Möglichkeit den Alltag besser bewältigen zu können, ist für die Befragten ein wichtiges Kriterium zur Bewertung des Patientennutzens eines Medikaments.

 Ein Großteil der Befragten lehnt Prioritäten bei der Behandlung bestimmter Krankheiten oder Patientengruppen im Rahmen der Kosten-Nutzen-Bewertung ab. Besonders ältere Personen sind nicht dafür, schwere Krankheiten oder Krankheiten, die hauptsächlich Menschen mit geringeren Einkommen treffen, vorrangig zu erstatten. Insgesamt tendieren die Versicherten dazu für bessere Medikamente großzügige Erstattungen zu befürworten. Folglich wünscht sich eine große Mehrheit der Befragten eine Rückkehr zur alten Regelung vor dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, als die Kosten für ein Medikament vollständig erstattet wurden, wenn ein höherer Nutzen zum bisher besten Medikament vorlag. Nur 19 Prozent befürworten die Höchstbetragsregelung, nach der ein vom GKV-Spitzenverband festgesetzter Höchstbetrag erstattet wird, der davon abhängt, wie viel das neue Medikament besser ist. Wie die ermittelten Präferenzen der Patienten in die Bewertung einfließen und bei der Setzung von Höchstbeträgen berücksichtigt werden können, sollte weiter erforscht werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Priorisierung medizinischer Leistungen

    Medikamente gegen unterschiedlich schwere Krankheiten

    n = 832
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 3. - Priorisierung im Rahmen Arzneimittelbehandung

    Medikamente und soziale Lage

    n = 813
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 1. - Zustimmung zu Erstattungsbeträgen

    Zustimmung zu Erstattungsbeiträgen

    n = 1.122
    Alle Angaben in Prozent der Befragten