gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung: Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung aus Sicht einer heterogenen Gruppe

Gutverdienern, Selbstständigen und Beamten steht frei, ob sie sich gesetzlich oder privat versichern. Obwohl freiwillig Versicherte hohe Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlen, entscheiden sich viele Versicherte gegen einen Wechsel zur Privatkasse. Welche Motive beeinflussen den freiwilligen Beitritt oder Verbleib in der GKV? 

Liegt das regelmäßige Jahres-Bruttogehalt eines Arbeitnehmers oberhalb der Versicherungspflichtgrenze gilt er oder sie als versicherungsfrei. Nun entscheidet der Versicherte selbst, ob er freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse verbleibt oder einer privaten Krankenkasse beitritt. Auch Selbstständige, Beamte und Studenten, die aus der Familienversicherung ausscheiden, sind freiwillig versichert. Trotz gestiegener finanzieller Belastung für freiwillig Versicherte waren im Jahr 2009 4,5 Millionen Menschen freiwillig gesetzlich versichert.

 Der Beitrag "Freiwillig Versicherte in der Gesetzlichen Krankenversicherung: die Finanzierung der Gesundheitsversorgung aus Sicht einer heterogenen Gruppe" untersucht, welche Aspekte für freiwillig Versicherte gegen einen Wechsel in die private Krankenversicherung sprechen. Grundlage der Studie sind umfassende Erhebungen des Gesundheitsmonitors mit insgesamt 15.262 Befragten vom Herbst 2004 bis Frühjahr 2009. Inwieweit spielen der Gesundheitszustand und die familiäre Situation des Versicherten sowie die bewusste Unterstützung des solidarischen Umverteilungssystem für freiwillig Versicherte bei der Wahl der Krankenversicherung eine Rolle?  

 Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Die Motive für einen Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse sind so vielfältig wie die Gruppe der freiwillig Versicherten selbst. Allerdings ist ein schlechterer Gesundheitszustand keineswegs der primäre Grund in der gesetzlichen Krankenversicherung zu verbleiben. Die Gesundheit der Gruppe freiwillig Versicherter unterscheidet sich im Vergleich zu den Pflichtversicherten kaum. Lediglich freiwillig versicherte Beamte stechen durch ein besonders teures Risikoprofil heraus und würden von einem Wechsel zur privaten Krankenversicherung selten profitieren. Auch die Anzahl der Kinder im Haushalt ist bei freiwillig Versicherten nicht höher als bei Pflichtversicherten, wobei auch zukünftige oder bereits ausgezogene Kinder relevant für den Versichertenstatus sein könnten.

 Freiwillig versicherte Arbeitnehmer sind aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten besonders interessant für Anbieter privater Kassen. Tatsächlich ist diese Gruppe jedoch ausgesprochen stark an die gesetzliche Krankenversicherung gebunden. Grund hierfür ist die hohe Zustimmung zum Solidaritätsprinzip in der gesetzlichen Krankenkasse. Ähnlich wie Pflichtversicherte und ein Teil der Beamten unterstützen freiwillig versicherte Arbeitnehmer die solidarischen Umverteilungsprinzipien besonders stark und sind insgesamt solidarischer orientiert als freiwillig versicherte Selbstständige. Diese verbleiben eher aus individuellen Zwängen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Selbstständige und Beamte tendieren zwar stärker zu den Elementen der privaten Krankenversicherung, entscheiden sich jedoch aus individuell-rationalen Gründen für die GKV. Die Angst vor steigenden Beiträgen im Alter, eine nicht auf Vollzeitbeschäftigung ausgerichtete Lebensplanung und drohende Risikozuschläge aufgrund des Gesundheitszustandes lassen sie vor einem Wechsel zur privaten Krankenversicherung zurückschrecken. Differenzierte Versorgungs- und

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1. - Zustimmungswerte zu Umverteilungsmechanismen bei freiwillig Versicherten

    Alleinstehende unterstützen Familien - Bewertung nach Versichertenstatus

    p ≤ 0,000 (n = 9.653)
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 2. - Unterstützung solidarischer Umverteilung

    Bezieher hoher Einkommen unterstützen Bezieher niedriger Einkommen - Bewertung nach Versichertenstatus

    p ≤ 0,000 (n = 9.758)
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5. - Zukunft des Nebeneinanders von GKV und PKV

    Befürwortung von Zukunftsoptionen für die GKV und die PKV nach Versichertenstatus

    p ≤ 0,05 (n = 972)
    Alle Angaben in Prozent der Befragten