gesundheitsmonitor
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Krankenkassenwettbewerb um Versicherte: Diesmal ohne Beitragssatz

Bei Einführung eines einheitlichen Krankenkassenbeitragssatzes ist ein Wettbewerb um Versicherte über die Beitragssätze nicht mehr möglich. Um Versicherte für sich zu gewinnen, müssen Krankenkassen mit Service und Wahltarifen überzeugen. Welche Unterschiede im Angebot der Krankenkassen können gesetzlich Versicherte zu einem Kassenwechsel motivieren? 

Hinter der Einführung des einheitlichen Kassenbeitrages im Jahr 2009 stand der Gedanke, dass sich Versicherte ihre Krankenkasse unabhängig von Kostenüberlegungen nach Qualität und Serviceangebot aussuchen können. Als Folge haben die Krankenkassen seither ihre Marketingausgaben um ein Vielfaches gesteigert. Denn die wichtigste Voraussetzung für einen Krankenkassenwechsel ist selbstverständlich, dass die Versicherten die Unterschiede in den Angeboten der Krankenkassen überhaupt wahrnehmen. Für Krankenkassen bedeutet dies, sich über herausragende Leistungs- und Versorgungsangebote bei den Versicherten bekannt zu machen.

 Die Studie "Krankenkassenwettbewerb um Versicherte: diesmal nicht über den Beitragssatz" analysiert die Wahrnehmung von Kassenunterschieden bei GKV-Versicherten und bereitet die Ergebnisse differenziert nach einzelnen Krankenkassen auf. Zentraler Bestandteil der Fragen an die Versicherten sind die Qualitäts- und Service-Aspekte der Informationsaktion „Fragen Sie ihre Krankenkasse“, die im Februar 2009 unter anderem vom

Gesundheitsministerium initiiert wurde. Der Artikel ermittelt, welche Wahltarife und Serviceangebote den Versicherten wichtig sind und welche Versichertengruppe überhaupt wechselbereit ist.

 Die Umfrageergebnisse zeigen, dass besonders Versicherte, die die Unterschiede zwischen den Krankenkassen als groß empfinden, wechselbereit sind. Allerdings ergeben die Daten des Gesundheitsmonitors auch, dass 60 Prozent der Befragten einen nur geringen Unterschied zwischen den Krankenkassen wahrnimmt. Immerhin werteten die verbleibenden 40 Prozent der Befragten den Unterschied zwischen den Service- und Leistungsangeboten der Krankenkassen als "sehr groß" oder mehrheitlich "eher groß". Befragt nach konkreten Unterschieden in den Bereichen Umfang der Kassenleistungen, Einsparmöglichkeiten, Qualität der Versorgung und Service, weiß jeder vierte Versicherte keine Antwort. Signifikantesten Einfluss auf die Wechselbereitschaft hat das Alter: GKV- Versicherte zwischen 18 und 39 Jahren sind am häufigsten zum Wechsel der Krankenversicherung bereit.

 Mit Abstand am wichtigsten ist den Versicherten eine gute Erreichbarkeit ihrer Kasse. 58 Prozent der Befragten wählten dieses Kriterium als sehr wichtig. Darauf folgen Bonusprogramme und Zuzahlungsermäßigungen. Auch gute Angebote für chronisch Kranke und die Kostenübernahme von Gesundheitskursen sind den Versicherten wichtig. Von geringer Bedeutung ist dagegen das Angebot eines "attraktiven Selbstbehalts", bei dem die Versicherten in Vorkasse gehen. Für eine Wechselentscheidung scheinen monetäre Kriterien bedeutsamer zu sein, als Qualitätsaspekte.

 Für die Zukunft des Krankenkassenwettbewerbs sind die Interessen der Versicherten ausschlaggebend. Ein funktionierender Krankenkassenwettbewerb setzt daher informierte Versicherte voraus. Auch die konsequente Stärkung der unabhängigen Verbraucher- und Patientenberatung kann hierzu beitragen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Unterschiede in Leistung und Service gesetzlicher Krankenkassen

    "Wie groß sind Ihrer Meinung nach derzeit die Unterschiede zwischen verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen, was Leistung oder Service betrifft?"

    n = 1.207
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 4. - Unterschiede der Krankenkassen im Überblick

    Alleinstehende unterstützen Familien - Bewertung nach Versichertenstatus

    p ≤ 0,000 (n = 9.653)
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5. - Wichtigste Merkmale der Krankenkasse

    Wie wichtig sind den GKV-Versicherten bei einer Krankenkasse die folgenden Angebote?

    n = 1.164 bis 1.214
    Alle Angaben in Prozent der Befragten