gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Arbeitsbedingungen, Arbeitsplatzbedrohung und psychische Gesundheit

Erhöhte Arbeitsplatzanforderungen, hohe Stressbelastung und steigende Arbeitsplatzunsicherheit: Viele Arbeitnehmer stehen beruflich unter Druck und fürchten zugleich um ihren Arbeitsplatz. Sind psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz ein Risiko für die psychische Gesundheit der Arbeitnehmer?

Seit dem Jahr 2001 sind psychische Erkrankungen in Deutschland die häufigste Ursache für eine frühzeitige Berentung. Während die psychischen Stressbelastungen am Arbeitsplatz und die Anforderungen an das psychische Leistungsvermögen stark gestiegen sind, nimmt die Sicherheit und Berechenbarkeit der Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer spürbar ab. Unklar blieb bislang, ob ein direkter Kausalzusammenhang zwischen erhöhten psychischen Stressoren am Arbeitsplatz und der Entstehung psychischer Erkrankungen besteht.

 Der Beitrag "Arbeitsbedingungen, Arbeitsplatzbedrohung und psychische Gesundheit" analysiert, welche Arbeitsbedingungen und psychosozialen Faktoren ein erhöhtes Risiko psychischer Erkrankungen bei Erwerbstätigen nach sich zieht. Die Studie untersucht den Einfluss psychischer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz wie Schichtarbeit, hohe zeitliche Arbeitsbelastung, Arbeitsplatzunsicherheit und schlechtes Arbeitsklima für die Entwicklung psychischer Beschwerden. 

 Die Auswertung der Bevölkerungsumfrage vom Herbst 2008 ergab: Ein Drittel der befragten Arbeitnehmer ist psychisch beeinträchtigt oder erkrankt. Unter den psychisch Erkrankten sind auffällig viele Frauen. Außerdem gehören die Betroffenen eher einer niedrigeren sozialen Schicht an und sind häufiger geschieden oder verwitwet. Interessanterweise zeigen Faktoren wie Schichtarbeit, hohe zeitliche Arbeitsbelastung und Flexibilität der Arbeitszeiten kaum Einfluss auf die psychische Gesundheit von Erwerbstätigen. Lediglich Arbeitnehmer, die regelmäßig sechs oder sieben Tage pro Woche arbeiten, leiden auch bei durchschnittlichem Arbeitsstundenpensum überdurchschnittlich häufig unter psychischen Beeinträchtigungen. Auch Arbeitswege über 30 Minuten können sich negativ auf die psychische Gesundheit niederschlagen.     

 Von größerer Bedeutung für die psychische Gesundheit sind die verschiedenen Aspekte eines unsicheren Arbeitsplatzes: Befristete Verträge aber auch Anzeichen von Stellenabbau, Umstrukturierung im Betrieb sowie die subjektiv erlebte Angst um den Arbeitsplatz können zu psychischen Beeinträchtigungen und körperlichen Beschwerden führen. So haben Erwerbstätige, die sich sorgen arbeitslos zu werden, ein fast dreifach erhöhtes Risiko für psychische Beschwerden. Daraus resultierende gesundheitsgefährdende Bewältigungsstrategien im Umgang mit Erkrankungen (Präsentismus) oder Mobbingerfahrung und emotionale Belastung am Arbeitsplatz begünstigen die Entwicklung psychischer Beeinträchtigungen zusätzlich. Selbstständige hingegen scheinen von der größeren Freiheit ihres Arbeitsverhältnisses zu profitieren: Sie haben gegenüber Angestellten ein geringeres Risiko psychische Erkrankungen zu entwickeln.

 Um die Gefahr durch psychischen Stress am Arbeitsplatz zu erkranken einzudämmen, sollten psychisch erkrankte Arbeitnehmer stärker betrieblich unterstützt und die Wiedereinführung in den Arbeitsplatz erleichtert werden. Weitere wichtige Aspekte der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz sind eine Verbesserung des Sozialklimas, eine Steigerung der Partizipationsmöglichkeiten für Arbeitnehmer und eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 3. - Psychische Belastung durch Arbeitsplatzunsicherheit

    image Abb. 3. - Psychische Belastung durch Arbeitsplatzunsicherheit
  • Abb. 4. - Präsentismus und psychische Beeinträchtigungen

    image Abb. 4. - Präsentismus und psychische Beeinträchtigungen
  • Abb. 5. - Betriebliche Nachteile bei Absentismus

    image Abb. 5. - Betriebliche Nachteile bei Absentismus