gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Das Einhalten von Leitlinien und die Qualität der ambulanten Versorgung von Rückenschmerzpatienten

Fast jeder Mensch ist einmal im Leben von Rückenschmerzen betroffen. Eine optimale Behandlungsstrategie in der ambulanten Versorgung fehlt bislang. Der Beitrag analysiert die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen bei Rückenschmerzen. 

Über 70 Prozent der Deutschen ist innerhalb eines Jahres einmal von Rückenschmerz betroffen - Frauen im Vergleich häufiger als Männer. Rückenschmerzen gehören damit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in deutschen Arztpraxen. Viele Studien zur Qualität ambulanter Versorgung beobachten, dass bei der Behandlung von Rückenschmerzen nur selten Leitlinien eingehalten und befolgt werden.  

Der Beitrag "Das Einhalten von Leitlinien und die Qualität der ambulanten Versorgung von Rückenschmerzpatienten" untersucht die Qualität der Versorgung anhand der Befragungsdaten von 1438 Befragungsteilnehmern. Da es sich bei Rückenschmerzen im eigentlichen Sinn nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom handelt, ist die richtige Behandlung von Patient zu Patient individuell. Der Beitrag zeigt, welche Ärzte Rückenschmerzpatienten konsultieren, wie Rückenschmerzen in deutschen Praxen am häufigsten behandelt werden und warum Selbstzahlerleistungen eine Rolle spielen.

Die Analyse der Befragungsdaten zeigt: Trotz der großen Bedeutung von Rückenschmerzen für das Gesundheitssystem gibt es keine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen hausärztlicher Primärversorgung und spezialisierter Sekundärversorgung. Dies führt bei einem Teil der Patienten zu einer Überversorgung. Rückenschmerzen sind für die Betroffenen meist eine langwierige Angelegenheit, unter der 53 Prozent der Befragung täglich leiden. Davon waren 17 Prozent mit ihren Symptomen noch nie beim Arzt. Viele Patienten erleiden mehrere Episoden oder chronische Verläufe des Schmerzes, nur bei 4 Prozent ist der Rückenschmerz eine einzige Episode. Patienten, die wegen einer Rückenschmerzsymptomatik eine Praxis aufsuchen, entscheiden sich meist für einen Hausarzt oder Orthopäden. Dort sollten sie gemäß medizinischer Leitlinie körperlich untersucht werden, was bei 80 Prozent der Befragten der Fall war. Eine über die Anamnese und körperliche Untersuchung hinausgehende Diagnostik ist zumeist nicht notwendig und verursacht unnötige Kosten. Die Experten kritisierten daher besonders, dass 56 Prozent der Befragten mittels bildgebender Verfahren untersucht wurde, was angesichts des geringen Nutzens zur Therapiesteuerung sowohl bei akuten wie bei chronischen Erkrankungen extrem hoch ist. Insgesamt 17 Prozent der Befragten mit Rückenschmerzen, zumeist gesetzlich Krankenversicherte, nehmen Selbstzahlerleistungen (IGeL) in Anspruch. Interessanterweise ist die am häufigsten in Anspruch genommene Selbstzahlerleistung die Massage, die auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

 Die Analyse der Qualität von Patientenberatung und - Information ergab ein ambivalentes Bild. Die Beratung zu den Schmerzmitteln konnte anhand der Befragungsergebnisse als sehr gut eingestuft werden. Auch die von allen Leitlinien empfohlene ärztliche Motivation und Beratung zur körperlichen Aktivität, wird von den Betroffenen bestätigt. 37 Prozent der Befragten bekamen allerdings die unqualifizierte und therapiehemmende Mitteilung ihr Rücken sei „kaputt". Hier besteht offensichtlich Aufklärungs- und Schulungsbedarf bei den Ärzten. Der verstärkte Einsatz neuer diagnostischer und therapeutischer Methoden führte bisher nicht zu einer nachweisbaren Verbesserung der Versorgungssituation bei Patienten mit Rückenschmerzproblematik. Eine Strategie um unnötige medizinische Maßnahmen zu verhindern, ist eine verstärkte Aufklärung der Bevölkerung.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1. - Beeinträchtigung durch Rückenschmerz

    "Wann haben Rückenschmerzen Sie das erste Mal beeinträchtigt?"

    n = 1.438
    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 2. - Zusammenhang zwischen Schmerzintensivität und Arztwahl

    Mit wie starken Schmerzen wird welcher Arzt aufgesucht?

    * n = 65; ** n = 69
    Alle Angaben in Prozent der Befragten