gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Praxisorganisation und Behandlungsqualität von Hausärzten in Einzel- und Gruppenpraxen: Die Schweiz und Deutschland im Vergleich

Die Gesundheitssysteme in Deutschland und der Schweiz sind sich nicht nur strukturell ähnlich. In beiden Systemen ist der Reformbedarf wegen steigender Gesundheitskosten groß. Der Beitrag diskutiert die hausärztliche Behandlungsqualität in Einzel- und Gruppenpraxen im Ländervergleich.

In Deutschland und der Schweiz werden Gruppenpraxen und integrative Versorgungsmodelle als mögliche Rationalisierungsmaßnahmen gefördert. Bislang ist allerdings unklar, ob sich diese Entwicklung auf die Qualität der Versorgung auswirkt. Während sich in Deutschland die ambulante Versorgung aller Fachrichtungen vor allem in Einzelpraxen abspielt, geht in der Schweiz der Anteil an Einzelpraxen kontinuierlich zurück. Die Untersuchung analysiert die Unterschiede in der Behandlungsqualität zwischen Einzel- und Gruppenpraxen im Ländervergleich.

 Der Beitrag "Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Praxisorganisation und der Behandlungsqualität von Hausärzten in Einzel- und Gruppenpraxen" vergleicht die Behandlungsqualität der ambulanten Versorgung anhand der Antworten von 10.557 Personen. Die Daten für den Vergleich der Praxisorganisation in Einzel- und Gruppenpraxen stammen aus dem Datenbestand des Gesundheitsmonitors und von Swisspep - einem Schweizer Institut mit Datenbank zur Qualitätssicherung in der medizinischen Grundversorgung.

 Der Vergleich der umfassenden Datensätze zeigt große Unterschiede der Patientenzufriedenheit mit der ärztlichen Behandlung: Die Patienten in der Schweiz sind unabhängig von der Praxisform im Durchschnitt zufriedener mit der Qualität der hausärztlichen Versorgung. Die im Vergleich geringe Patientenzufriedenheit in Deutschland kann auf strukturelle Unterschiede in der hausärztlichen Versorgung beider Länder zurückgeführt werden. Besonders die längere Konsultationsdauer in Schweizer Praxen - rund 17 Minuten zu den durchschnittlich weniger als 10-Minuten-Gesprächen in deutschen Hausarztpraxen - wirkt sich vermutlich positiv auf die Zufriedenheit der Schweizer Patienten aus. Ob eine längere Konsultationsdauer tatsächlich mit einer besseren Betreuungsqualität einhergeht ist umstritten. Jedoch liegt die Vermutung nahe, dass die höhere Patientenzufriedenheit auch mit dem Umstand einhergeht, dass in Schweizer Arztpraxen mehr Zeit für die Thematisierung psychosozialer Probleme vorhanden ist. Die Behandlungsqualität in Gruppenpraxen wird im Vergleich zur Behandlung in Einzelpraxen allerdings in beiden Ländern übereinstimmend als schlechter eingeschätzt. Grund hierfür ist offenbar eine als weniger persönlich empfundene Behandlung und Kommunikation in Gruppenpraxen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Patientenzufriedenheit im Ländervergleich

    Zufriedenheit mit Qualitätsindikatoren in der Schweiz und in Deutschland

    Alle Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 3. - Zufriedenheit mit der Versorgung in deutschen Einzel- und Gruppenpraxen

    Zufriedenheit mit Qualitätsindikatoren - Einzel- und Gruppenpraxen (Gesundheitsmonitor)

    Alle Angaben in Prozent der Befragten