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Medizin hat ein Geschlecht: Zufriedenheit mit der Behandlung durch Ärztinnen und Ärzte

Ärztinnen sind in der beruflichen Praxis noch immer unterrepräsentiert. Hat ein höherer Frauenanteil Einfluss auf die medizinische Versorgung und das Arzt-Patienten-Verhältnis? Der Beitrag untersucht, ob Patienten und Patientinnen einen Unterschied zwischen den Geschlechtern in der ärztlichen Versorgung wahrnehmen.

In Deutschland gibt es in der beruflichen Praxis deutlich weniger Ärztinnen als Ärzte, obgleich 62 Prozent der Erstsemester im Fach Medizin weiblich sind. Besonders mit steigendem Prestige der beruflichen Situation sinkt ihr Anteil erheblich. Dabei attestieren medizinsoziologische Studien Ärztinnen im Vergleich zu Ärzten eine höhere psychosoziale Kompetenz: Sie zeigen ein stärker patientenorientiertes Kommunikationsverhalten und bemühen sich eher um eine partnerschaftliche Beziehung zum Patienten, der in die Entscheidungsfindung stärker einbezogen wird, als bei männlichen Kollegen. Eine höhere Frauenquote müsste demnach die medizinische Versorgung und besonders das Arzt-Patienten-Verhältnis verbessern.

Im Zentrum des Beitrags "Medizin hat ein Geschlecht – Zufriedenheit mit der Behandlung durch Ärztinnen und Ärzte" steht die Frage, ob sich ein erhöhter Frauenanteil auf die medizinische Versorgung und insbesondere auf das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten auswirkt. Die Studie beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im beruflichen Selbstverständnis und Handeln von Ärztinnen und Ärzten. In einem zweiten Schritt wird die Perspektive der Patienten anhand der Befragungsdaten aus dem Jahr 2007 in den Vordergrund gerückt. 27.000 Personen im Alter zwischen 19 und 79 Jahren geben einen Einblick in die geschlechterspezifische Wahrnehmung der Patienten.

Die Auswertung der Befragungsdaten zeigt: Frauen wie Männer suchen häufiger einen Arzt als eine Ärztin auf. Dies liegt allerdings nicht zuletzt daran, dass der Männeranteil in der ärztlichen Versorgung derzeit deutlich höher ist. Aber auch das Alter der Patienten spielt eine Rolle. Mit steigendem Alter suchen sowohl Frauen als auch Männer häufiger einen Hausarzt als eine Hausärztin auf. Die Behandlung bei einer Ärztin wird besonders von jungen Frauen bevorzugt. Interessante Ergebnisse erlangt die Studie bei der Frage, wie Patienten und Patientinnen die Behandlung bei einem Arzt oder einer Ärztin im Vergleich wahrnehmen. Hier entsprechen die Ergebnisse der Studie nicht den gängigen Geschlechterstereotypen. Arztinnen werden von Patienten in der Regel nicht als zugewandter wahrgenommen. Auch die Annahme, dass Ärztinnen die Patienten stärker in Behandlungsentscheidungen einbinden, bestätigt sich aus Patientensicht nicht. Damit widerspricht das Ergebnis internationalen Studien, die einen solchen Geschlechterunterschied mehrfach bestätigt haben. Tatsächlich verbringen Ärztinnen mehr Zeit mit ihren Patientinnen und Patienten. Allerdings ist der Unterschied der durchschnittlichen Behandlungszeit bei Ärztinnen mit 14,30 Minuten im Vergleich zu den männlichen Berufskollegen mit durchschnittlich 13,67 Minuten nicht besonders gravierend. Insgesamt sind Patientinnen und Patienten nicht zufriedener mit behandelnden Ärztinnen.

Offenbar greifen Ärztinnen und Ärzte in der Selbstbeschreibung auf Geschlechterstereotype zurück, Patientinnen und Patienten jedoch nicht. Stattdessen scheint den Patienten die Berufsrolle deutlich wichtiger zu sein als das Geschlecht. Die Experten argumentieren dennoch, dass eine stärkere Integration der Geschlechterperspektive in Ausbildung und Forschung ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung geleistet werden könnte.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1. - Frauenanteil in der ärztlichen Versorgung 2007

    Frauenanteil in der vetragsärztlichen Versorgung im Jahr 2007 nach Region für ausgewähle Facharztgruppen

    nur Facharztgruppen mit mindestens 5.000 an der Versorgung beteiligten Ärztinnen und Ärzten
    (Statistisches Bundesamt 2008b)
    Alle Angaben in Prozent
  • Abb. 2. - Dauer der Behandlungszeit

    Dauer der Behandlungszeit

    Die Behandlungszeit wurde gruppiert und zu sieben Kategorien von »1 bis 5 Minuten« bis
    »mehr als 60 Minuten« zusammengefasst.
    Alle Angaben = Mittelwert der Kategorie