gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Einstellung der Bevölkerung zur Organspende

Nur wenige Menschen möchten bei Lebzeiten darüber entscheiden, was im Todesfall mit ihren Organen passiert. Für viele Schwerstkranke bedeutet dies der Verlust lebenswichtiger Spenderorgane. Welche Anreize könnten potentielle Organspender zu mehr Spendenbereitschaft führen? 

Umfragen zufolge stehen die meisten Bürger in Deutschland der Organspende prinzipiell positiv gegenüber, dennoch besitzen nur etwa 20 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis. Die fehlende Bereitschaft der Bürger sich zu Lebzeiten mit einer postmortalen Organspende einverstanden zu erklären, ist Grund für einen Organmangel mit traurigen Folgen: Allein im Jahr 2010 starben 1483 Patienten, die auf eine lebenswichtige Organspende warteten. Häufig sind es Informationsdefizite und unbegründete Ängste, die einer Ablehnung der Organ- und Gewebespende zugrunde liegen.

Welche Faktoren und Maßnahmen in Deutschland zu einer größeren Organspendebereitschaft beitragen könnten, untersucht die Studie "Einstellung der  Bevölkerung zur Organspende". Um die Organspendebereitschaft zu erhöhen, sollten die Regelungen der Organspende den Vorstellungen der potentiellen Spendern weitestgehend entsprechen. Im Mittelpunkt der Befragung steht daher die Zustimmung der Bevölkerung zu den unterschiedlichen Entnahmeregelungen und den Kriterien der Organverteilung. Sollten schwerkranke Patienten, die ohne Spende nur noch wenig Lebenszeit haben, bevorzugt werden oder ist es sinnvoller jenen ein Organ zu vermitteln, die noch lange Zeit mit der Spende leben können? Finden finanzielle Anreize eine Akzeptanz in der Bevölkerung und sollte ein Selbstverschulden der Erkrankung als prioritätssenkender Faktor gewertet werden?  

Die Studie bestätigt frühere Ergebnisse, dass nur wenige der Befragten, die keinen Ausweis besitzen, eine Organspende tatsächlich ablehnen (8 Prozent). Der Rest äußert sich positiv zur eigenen Spendenbereitschaft, scheint jedoch davor zurückzuschrecken, diese Überzeugung aktiv durch die Unterschrift auf einem Spenderausweis auszudrücken. Für die Mehrheit der potentiellen Spender ist die Nützlichkeit der eigenen Spende das wichtigste Kriterium und beeinflusst somit die Einstellung zu den verschiedenen Entnahmeregelungen und der Organverteilung. Alles, was die medizinische Effizienz und damit die Nützlichkeit der eigenen Spende vergrößert, ist folglich erwünscht. Wenig Nachsicht haben die Befragten demzufolge mit Patienten, die ihre Erkrankung durch Risikoverhalten oder Selbstverschulden verursacht haben. Etwa die Hälfte empfindet es als gerecht, wenn das eigene Verschulden einer Krankheit zum Beispiel durch Drogenmissbrauch als prioritätssenkender Faktor gewertet würde. Um den Nutzen der eigenen Organspende zu maximieren, sprachen sich 59 Prozent außerdem für eine nachrangige Behandlung älterer Patienten gegenüber deutlich jüngeren Patienten aus. Kostenaspekte, wie beispielsweise eingesparte Krankheitsfolgekosten, werden von der Mehrheit der Befragten jedoch deutlich abgelehnt. Andererseits könnten Vorschläge, die eine moderate Geldzahlung für Angehörige vorsehen, zu einer etwas höheren Zahl an Spendern führen. Auch eine Bonusregel, nach der eine eigene zuvor erklärte Spendenbereitschaft im Bedarfsfall die Chance auf die Zuteilung eines Organs erhöht, kann die Spendenbereitschaft positiv beeinflussen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1 - Zustimmung zu Regeländerungen zur Erhöhung der Spendenbereitschaft

    Zustimmung zu Regeländerungen zur Erhöhung der Spendenbereitschaft

    Angaben in Prozent der Befragten