gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Evidenzbasierte Medizin und Qualitätssicherung medizinischer Leistungen: Erfahrungen und Einschätzungen der Bürger

Das Ziel evidenzbasierter Medizin ist es, medizinische Entscheidungen im Sinne des Patienten zu verbessern. Damit Patienten anstehende Therapieentscheidungen gemeinsam mit ihrem Arzt treffen können, müssen sie jedoch über eine ausreichende Gesundheitskompetenz verfügen. Die Studie untersucht die Gesundheitskompetenz deutscher Bürger.

Gegenwärtig sind diagnostische und therapeutische Leistungen, die für die Patienten keinen Nutzen beinhalten, Teil des medizinischen Alltags. Die Beteiligung informierter Patienten an Behandlungsentscheidungen könnte die bedarfsgerechte Versorgung verbessern und eine Über-, Fehl- und Unterversorgung zurückdrängen. Die aktuelle Dominanz der Anbieterinteressen im Versorgungssystem könnte so durch eine Beteiligung der Nutzer des Gesundheitssystems - Bürger, Versicherte und Patienten - ausgeglichen werden. Dies setzt allerdings voraus, dass die Bürger über eine ausreichende Gesundheitskompetenz verfügen.

Für Deutschland liegen umfassende Studien zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bislang nicht vor. Diese Lücke schließt dieser Beitrag des Gesundheitsmonitors. Die Experten analysierten bei 1778 Versicherten verschiedene Aspekte zur Gesundheitskompetenz: Wie gut können Patienten medizinische Risiken einschätzen und somit bewusste Entscheidungen für die eigene Behandlung treffen?

Die Ergebnisse des Gesundheitsmonitors dokumentieren eine insgesamt skeptische Haltung der Bevölkerung gegenüber der medizinischen Versorgung in Deutschland, die zu denken gibt: Etwa 90 Prozent der Befragten vermuten, dass ambulant tätige Ärzte unnötige und überflüssige Leistungen erbringen. Besonders bei den sogenannten Selbstzahlerleistungen (IGeL) sind die Patienten skeptisch. Ein Teil der Befragten war sogar der Meinung, dass Ärzte Leistungen erbringen, die den Patienten schaden. Das Vertrauen der Befragten darin, dass Ärzte die eigenen Interessen dem Patientenwohl unterordnen, erscheint somit erschreckend gering. Außerdem glaubten die meisten Befragten, dass Ärzte medizinische Entscheidungen hauptsächlich vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung und ihres Bauchgefühls träfen und nicht im Sinne einer evidenzbasierten Medizin. Den Begriff »Leitlinie« kannte folglich vor der Befragung gerade einmal jeder Vierte. Allerdings befürworten viele Befragte weitergehende Regelungen zur ärztlichen Qualitätskontrolle. Regelmäßige Kontrollen der Fachkenntnisse und obligatorische Fortbildungen unterstützen jeweils mehr als 90 Prozent.

Die Analyseergebnisse machen deutlich, dass die Interessen der Patienten in medizinischen Entscheidungssituationen zukünftig noch stärker berücksichtigt und gefördert werden müssen. Eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung als Teil des medizinischen Alltags ist nicht nur im Sinne der Patienten. Gemeinsame Therapieentscheidungen können einer effizienten und bedarfsgerechten Versorgung dienen. Damit eine solche Arzt-Patienten-Beziehung auf Augenhöhe entstehen kann, ist es allerdings dringend erforderlich, die Gesundheitskompetenz der Bürger zu fördern. Denn nur dann können Patienten Leistungen ablehnen, die sie - vorausgesetzt sie sind gut informiert - gar nicht erhalten möchten. 

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb 1 - Vorgehen der Ärzte bei Unsicherheit

    Was glauben Sie, wie häufig Ärzte heutzutage in den genannten Weisen vorgehen, wenn sie sich über die beste Behandlung für ihre Patienten nicht ganz sicher sind?

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 2 - Geringes Vertrauen in ärztliches Handeln

    Was vermuten Sie, wie oft kommen folgende Situationen in Arztpraxen in Deutschland vor?

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5 - Sinnvolle Fehlerkontrolle für Ärzte

    Auch Ärzte können in ihrem Beruf Fehler machen. Wie sinnvoll wären aus Ihrer Sicht folgende Maßnahmen, um diese Fehler zu verhindern?

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 6 - Medizinische Sachverhalte aus der Sicht der Bevölkerung

    Annahmen über medizinische Sachverhalte: »Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen zu?«

    Angaben in Prozent der Befragten