gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

"Wir haben in diesem Quartal leider keinen Termin mehr frei…"

Viele Versicherte klagen über Terminprobleme beim Haus- oder Facharzt zum Quartalsende. Besonders bei den Betroffenen entsteht der Eindruck, dass Krankenkassenpatienten am Quartalsende aus finanziellen Gründen abgelehnt werden. Der Beitrag analysiert Terminverschiebungen erstmals anhand von Krankenkassendaten und Befragungsdaten.

Für gesetzlich Versicherte wird ein Arztbesuch am Quartalsende aufgrund mangelnder Terminvergabe häufig zum Problem, dessen Ursache umstritten ist. Während Ärzte auf eine hohe Praxisauslastung verweisen, empfindet so mancher Patient die Ablehnung als ungerecht. Unbestritten ist jedoch, dass am Ende eines Quartals die finanziellen Anreize für Ärztinnen und Ärzte sinken, Krankenkassenpatienten zu behandeln. Dies hat zwei Gründe: Zum einen wurde 2008 die Pauschalisierung der Vergütung eingeführt. Für die Ärzte bedeutet das konkret, dass bestimmte Leistungen bei einem Patienten nur einmal im Quartal abrechenbar sind. Nach dem ersten Arzt-Patienten-Kontakt innerhalb des Quartals bleiben alle weiteren Kontakte ohne Vergütung, sofern nicht andere abrechenbare Leistungen dazukommen. Kommt der Patient jedoch im nächsten Quartal zur Behandlung, kann die Leistung wieder abgerechnet werden. Außerdem ist den Ärzten für die Behandlung innerhalb eines Quartals ein sogenanntes Regelleistungsvolumina vorgegeben. Erbringt ein Arzt mehr Leistungen als sein Praxisbudget vorsieht, erhält er hierfür nur noch eine geringe Vergütung. Hiermit ist ebenfalls gegen Ende eines Quartals zu rechnen.

Bislang wurde wenig untersucht, ob Krankenkassenpatienten am Ende des Quartals tatsächlich abgewiesen werden. Der Beitrag untersucht erstmals anhand von Krankenkassendaten die Verteilung der Behandlungstermine über das Quartal. Grundlage ist eine repräsentative Stichprobe von 6.548 Versicherten der BARMER GEK mit Abrechnungsdaten aus den Jahren 2008 und 2009. Ergänzend wurde anhand einer Umfrage des Gesundheitsmonitors erfasst, welche Folgen sich für die abgewiesenen Patienten ergeben.

Die Analyse bestätigt die Annahme, dass weniger Arztkontakte am Quartalsende tatsächlich vorwiegend durch die Terminvergabe verursacht werden. Vor allem Fachärzte vergeben gegen Ende des Quartals weniger Termine. Zwar nimmt auch bei Hausärzten die Terminvergabe am Quartalsende merklich ab, für die Versicherten sind Terminprobleme bei Fachärzten jedoch deutlich spürbarer als bei Hausärzten. Bei Facharztterminen hatten 38 Prozent der Befragten in den letzten drei Jahren Probleme, bei den Hausarztterminen waren es lediglich 13 Prozent. Häufigster Grund für das Abweisen eines Patienten war bei allen Praxen eine hohe Auslastung. Die Hausarztpraxen gaben am zweithäufigsten eine urlaubsbedingte Schließung an. Hingegen erklärten die Facharztpraxen mehr als 35 Prozent der Patienten mindestens einmal, dass nur noch Termine im nächsten Quartal verfügbar wären (Hausärzte 11 Prozent).

Die Umfrage des Gesundheitsmonitors befasste sich auch mit den konkreten Auswirkungen für jene Betroffenen, die von ihrer Arztpraxis abgewiesen oder vertröstet wurden. Personen mit Terminproblemen beim Haus- beziehungsweise Facharzt mussten zwar nur selten einen Notdienst aufsuchen, aber das gesundheitliche Wohlbefinden wurde bei einem Fünftel (Hausärzte) beziehungsweise einem Viertel (Fachärzte) der Betroffenen beeinträchtigt. Bei knapp 19 Prozent derjenigen die vom Facharzt abgewiesen wurden, verschlechterte sich der Gesundheitszustand oder es traten Komplikationen auf (15 Prozent bei Hausärzten). Um ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen aufgrund von Terminproblemen zu vermeiden, scheint eine Neugestaltung der Vergütung in Arztpraxen notwendig zu sein.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1 - Rückläufige Arztkontakte im Quartal

    Anzahl aller Arztkontakte 2008 und 2009

    Angabe in Anzahl Arztkontakte
  • Abb. 7 - Gründe für Terminprobleme

    Genannte Gründe bei Terminproblemen

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 8 - Folgen von Terminproblemen

    Folgen von Terminproblemen

    Angaben in Prozent der Befragten