gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Finanzierungsreform in der Krankenversicherung. Einschätzungen der Bevölkerung im Spiegel konkreter Reformszenarien

In Fachkreisen wird rege über die Zukunft des dualen Krankenversicherungssystems diskutiert. Doch wer fragt die Bürger, wo sie den Reformbedarf im Gesundheitswesen sehen? Wie sie Gerechtigkeitsaspekte und das Solidaritätsprinzip in der Krankenversicherung bewerten? Der Gesundheitsmonitor hat in seiner 21. Befragungswelle die Versicherten zu ihrer Perspektive befragt.

Die Zweiteilung des Krankenversicherungsmarktes in gesetzliche und private Krankenversicherung wird zunehmend infrage gestellt. Als möglicher Lösungsansatz wird die Einführung einer integrierten Krankenversicherung diskutiert. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. hat das IGES Institut Berlin eine Studie zur zukünftigen Finanzierung des Krankenversicherungssystems erstellt. Ausgehend von einem integrierten Krankenversicherungsmarkt wurden konkrete Reformszenarien erarbeitet, die sich vor allem in der Finanzierungsgrundlage und der Beitragsbemessung unterscheiden. Anhand dieser konkreten Szenarien konnten die Auswirkungen auf mögliche finanzielle Belastungen beziehungsweise Entlastungen der Bevölkerung berechnet werden.

Im Rahmen der Studie „Finanzierungsreform in der Krankenversicherung: Einschätzungen der Bevölkerung im Spiegel konkreter Reformszenarien“ werden zunächst der Reformbedarf im Gesundheitswesen aus Sicht der Befragten und ihre Einschätzung zu verschiedenen gesundheitspolitischen Reformansätzen zur Finanzierung des Krankenversicherungssystems erhoben. Anschließend werden die von der Bevölkerung bevorzugten Reformansätze den modellhaften Reformszenarien der Finanzierungsstudie gegenübergestellt. So lassen sich Übereinstimmungen beziehungsweise Widersprüche herausarbeiten, die Einfluss auf die politische Umsetzung haben könnten.

Anhand der Befragungsergebnisse wird deutlich, dass die Mehrheit der Befragten eine Reform des Gesundheitssystems deutlich befürwortet. Vor allem auf Leistungsseite werden erhebliche Gerechtigkeitsdefizite (Unterschiede bei Ärztehonorierung und Terminvergabe zwischen GKV und PKV) wahrgenommen und ein höherer Reformbedarf gesehen als in Hinblick auf die Finanzierung. Reformansätze zur künftigen Finanzierung des Gesundheitssystems finden bei den Befragten große Zustimmung, wenn sie mit einem scheinbar geringen Maß an Belastungen für die Mehrheit der Bevölkerung einhergehen (Einbeziehung der privat Versicherten in die GKV, Erhöhung der staatlichen Zuschüsse). Doch die Ergebnisse der Finanzierungsstudie des IGES Instituts zeigen, dass die Belastung der Finanzierungsreform für die einzelnen Bevölkerungsgruppen sehr stark von der konkreten Ausgestaltung der Reform abhängig ist und eine stärkere Entlastung eher unwahrscheinlich ist. Für die Gesundheitspolitik lassen sich daraus folgende Schlüsse ziehen: Die Einführung einer integrierten Krankenversicherung lässt sich nur mittels einer leistungsseitigen Argumentation gegenüber der Bevölkerung begründen. Aufgrund der zu erwartenden finanziellen Mehrbelastung gilt es auf der Finanzierungsseite die Umverteilungseffekte sorgfältig auszubalancieren und die Auswirkungen für Bevölkerung nicht unmittelbar spürbar werden zu lassen.

Ein besonderes Augenmerk gilt noch der Generation junger Erwachsener. In der Befragung lehnten sie einen Großteil der Reformansätze ab und auch die grundlegenden Solidarprinzipien empfinden sie eher als ungerecht. Daher sollte auch die intergenerative Umverteilung bei der Ausgestaltung und Kommunikation künftiger Finanzierungsreformen mit berücksichtig werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2 - Bewertung der für die Finanzierung der GKV grundlegenden Solidarprinzipien

    Bewertung der für die Finanzierung der GKV grundlegenden Solidarprinzipien

    n = 1.569 bis 1.637; Herbstbefragung 2012, gewichtete Daten
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 4 - Beurteilung von Reformansätzen auf Leistungsseite nach Wichtigkeit

    Einschätzung der Wichtigkeit von Reformnotwendigkeit auf der Leistungsseite

    n = 1.568 bis 1.761; Herbstbefragung 2012, gewichtete Daten
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 5 - Beurteilung von Reformansätzen auf Finanzierungsseite nach Wichtigkeit

    Einschätzung der Wichtigkeit von Reformnotwendigkeit auf der Finanzierungsseite

    n = 1.568 bis 1.761; Herbstbefragung 2012, gewichtete Daten
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 6 - Bewertung von Gerechtigkeitsaspekten zukünftiger Reformen auf Leistungs- und Finanzierungsseite

    Bewertung von Gerechtigkeitsaspekten zukünftiger Reformen bei Leistungen und Finanzierung (wichtigste Reform)

    n = 1.795; Herbstbefragung 2012, gewichtete Daten
    Angaben in Prozent der Befragten