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Halsschmerzen und chronische Mandelentzündungen bei Kindern und Jugendlichen: Operation oder konservative Behandlung?

Die Entfernung der Gaumenmandeln ist die häufigste stationäre Operation bei Kindern und Jugendlichen. Die Entscheidung für eine Tonsillektomie sollte erst erfolgen, wenn die konservative Behandlung keine Besserung bringt. Werden Eltern ausreichend bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützt und über die Nutzen und Risiken des Eingriffs informiert?

Die häufigsten Indikationen einer Gaumenmandelentfernung sind eine chronische Entzündung der Gaumenmandeln (chronische Tonsillitis) sowie Vergrößerungen (Hyperplasien) der Gaumen- und Rachenmandeln. Der Nutzen der Gaumenmandelentfernung bei  chronischer beziehungsweise wiederkehrender Tonsillitis ist jedoch nur teilweise anhand qualitativ hochwertiger Studien belegt.

Der Beitrag "Halsschmerzen und chronische Mandelentzündungen bei Kindern und Jugendlichen: Operation oder konservative Behandlung?" untersucht den aktuellen Stand zur Entscheidungsfindung, Beratung und Aufklärung vor einer Tonsillektomie. Ziel der Studie ist es, die Krankheitsvorgeschichte und den Prozess der Entscheidung zur Tonsillektomie bei Patienten im Kindes- und Jugendalter zu rekonstruieren.

Ein Großteil der befragten Eltern entscheidet sich für eine Tonsillektomie, weil sie erhoffen, dass die Operation das gesundheitliche Problem »ein für alle Mal« löst. Rund 88 Prozent bezeichnen diesen Grund als »sehr wichtig« für ihre Entscheidung. Auch der Rat des behandelnden Arztes und die Erfahrung, dass die konservative Behandlung keine langfristige Besserung gebracht hat, haben großen Einfluss. Die Entscheidung zur Operation wird in den meisten Fällen im Konsens mit dem behandelnden Arzt gefällt. Lediglich drei Prozent der befragten Eltern gaben an, sie hätten lieber noch abgewartet. Auch die Aufklärung vor dem operativen Eingriff wurde überwiegend positiv bewertet. Nahezu alle befragten Eltern fühlten sich vor der Operation sehr gut über mögliche Risiken und Komplikationen informiert. Weniger als die Hälfte konnte sich allerdings daran erinnern, dass über die Möglichkeit einer Abnahme der Halsentzündungen mit zunehmendem Alter des Kindes gesprochen wurde. In der deutlich geringer mit Halsentzündungen belasteten Vergleichsgruppe wurden keine Hinweise gefunden, dass die Mandeloperation verfrüht empfohlen wird.

Die Mehrheit der Betroffenen war mit den Behandlungsergebnissen sehr zufrieden: 95 Prozent gaben an, dass ihr Kind weniger Halsschmerzen hatte als vor der Operation. Außerdem fehlen die Kinder seltener in Kindergarten, Schule oder am Ausbildungsplatz. Eine große Mehrheit bestätigte eine starke Verbesserung der Lebensqualität ihrer Kinder nach der Tonsillektomie und nur knapp vier Prozent äußerten sich skeptisch beziehungsweise negativ. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Studie, dass das Risiko von Nachblutungen nicht unterschätzt werden darf. Bei 17 Prozent der Befragten mit Mandel-OP kam es nach der Operation zu Blutungen, die bei 10 Prozent eine weitere Operation notwendig machten.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 3. - Patientenaufklärung im Vorfeld der Tonsillektomie

    Haben die Ärzte vor der Operation das Thema mit Ihnen besprochen? (Interventionsgruppe, Spaltenprozent)

    n = 423
    Angaben in Prozent
  • Abb. 4. - Gründe für die Entscheidung zur Mandelentfernung

    Wichtigkeit unterschiedlicher Gründe für die Entscheidung zur Mandeloperation (Interventionsgruppe, Spaltenprozent)

    n = 403
    Angaben in Prozent