gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und das deutsche Gesundheitssystem: Erfahrungen, Zufriedenheit und Erwartungen

Eine Mehrheit der Deutschen ist mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Wie aber stehen einzelne Bevölkerungsgruppen zum Stand der medizinischen Versorgung? Der Beitrag diskutiert, welche Faktoren die Zufriedenheit und Zukunftserwartungen der Bürger beeinflussen.

Verschiede Studien und Umfragen bescheinigen dem deutschen Gesundheitssystem einen hohen Zufriedenheitswert bei den Versicherten. Allerdings können allgemeine Zufriedenheitsabfragen kaum ein umfassendes Bild davon geben, wie einzelne Bevölkerungsgruppen die medizinische Versorgung wahrnehmen. Wie beeinflussen Faktoren wie eine chronische Erkrankung, das Alter, das Geschlecht, die Krankenversicherungsart, die sozioökonomische Schicht und der Stadt-Land-Vergleich die Erfahrungen und die Zufriedenheit der Versicherten im Gesundheitssystem?

Der Beitrag "Erfahrungen, Zufriedenheit und Erwartungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit dem deutschen Gesundheitssystem – aktuelle Erkenntnisse und Zusammenhänge" zeichnet ein differenziertes Bild zum aktuellen Stand des Gesundheitssystems aus Patientensicht. Die repräsentative Befragung von GKV- und PKV-Versicherten analysiert unterschiedliche Wahrnehmungen der medizinischen Versorgung unter Einbeziehung soziodemografischer Faktoren.

Die Auswertung der Befragungsdaten zeigt: Die Gesamtzufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem ist im Befragungszeitraum von 2007 bis 2012 gestiegen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass GKV-Versicherte, unter 60-Jährige, Frauen und Angehörige der sozialen Unterschicht deutlich weniger zufrieden sind als der Durchschnitt. Insgesamt 60 Prozent der Befragten bewerteten die Qualität der medizinischen Versorgung im Jahr 2012 als "sehr gut" oder "gut". Bei der Differenzierung zeigt sich, dass Faktoren wie Wartezeiten auf Praxistermine und die Zeitdauer des Arzt-Patienten-Gesprächs von der Bevölkerung weitaus schlechter bewertet werden als die technische Ausstattung, Qualifikation der Ärzte oder die Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten. An eine Verbesserung der zukünftigen Qualität medizinischer Leistungen glauben rund 28 Prozent der Bevölkerung, etwa genauso viele sind vom Gegenteil überzeugt und 47 Prozent erwarten gar keine Veränderung der Qualität. Offenbar sind die Prognosen der Befragten pessimistischer als die gegenwärtige Erfahrung: Während 26 Prozent der Bevölkerung glauben, dass sich die Qualität der medizinischen Versorgung verschlechtern wird, bezeichnen nur fünf Prozent diese aktuell als „schlecht“ oder „sehr schlecht“.

Die größte Differenz bei allen untersuchten Faktoren ist die Schichtzugehörigkeit. Die Unterschicht hat mit rund 63 Prozent mit Abstand die größte Angst vor einer unzureichenden medizinischen Versorgung im Alter und ist im Vergleich zur Oberschicht insgesamt deutlich unzufriedener mit dem deutschen Gesundheitswesen. Auch Frauen und jüngere Personen unter 60 Jahren schauen sorgenvoller in die Zukunft der medizinischen Versorgung. Ein bemerkenswert positives Ergebnis ist, dass sich die Anzahl chronisch Kranker, die mit der Gesundheitsversorgung „zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ sind, deutlich erhöht hat.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2. - Die Zukunft der medizinischen Versorgung aus Patientensicht

    Übergreifende Erwartungen im Hinblick auf die Entwicklung der medizinischen Versorgung

    n = 1.548 bis 1.618
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 1. - Teilbereiche der Gesundheitsversorgung im Patientenurteil

    Bewertung unterschiedlicher Bereiche der Gesundheitsversorgung

    n = 1.742 bis 1.760
    Angaben in Prozent der Befragten