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Wie gut ist die hausärztliche Versorgung? Patientenurteile und Einflussfaktoren

Die Qualität der hausärztlichen Versorgung zu verbessern, steht im Mittelpunkt vielfältiger Bemühungen. Dabei wird das Urteil der Patienten meist vernachlässigt. Der Beitrag untersucht, wie qualitätsbezogene Patientenurteile zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen können.

Die Qualität der hausärztlichen Versorgung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben der fachlichen Qualifikation und sozialen Kompetenz des Hausarztes spielen auch Faktoren wie die Praxis- und Terminorganisation, Wartezeiten und die Kooperation mit Fachärzten und stationären Einrichtungen eine Rolle. Wie die Patienten die Versorgungsqualität wahrnehmen, hat unmittelbaren Einfluss auf den Therapieerfolg. Denn die erlebte Versorgungsqualität beeinflusst nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Verhalten der Patienten.

Der Beitrag "Wie gut ist die hausärztliche Versorgung? Patientenurteile und Einflussfaktoren" untersucht, inwieweit erfüllte oder enttäuschte Erwartungen sich nachhaltig auf die Patientenzufriedenheit und andere Merkmale der subjektiv erlebten Versorgungsqualität auswirken. Die Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsumfrage veranschaulichen, welches Potenzial die Einbeziehung von Patientenerfahrungen bei der Verbesserung von Versorgung haben kann. Welche Merkmale der Versorgung üben einen besonders deutlichen Einfluss auf die Patientenurteile aus?

Das Patientenurteil über die abgefragten Merkmale der Strukturqualität fällt überwiegend positiv aus. Über zwei Drittel der Patienten sind mit den Wartezeiten auf einen Arzttermin zufrieden, nur sieben Prozent kritisieren die Wartezeitdauer. Auch die Dauer des Behandlungsgesprächs in der Arztpraxis wird von der überwältigenden Mehrheit (86 Prozent) als gerade richtig eingestuft. Außerdem fühlen sich die Patienten von ihrem Hausarzt keineswegs oberflächlich behandelt. Etwa drei Viertel der Befragungsteilnehmer gaben an, dass ihr Arzt sehr viel oder viel über ihre Krankengeschichte wisse und sie eine mangelnde Gründlichkeit der Untersuchung noch nie erlebt hätten.

Für den Bereich der Prozessqualität wurden drei Merkmale erfasst: Kommunikation und Information in der Arztpraxis, Erfahrungen in Situationen, die eine partizipative Entscheidungsfindung nahelegen sowie Probleme bei der Kooperation mit Fachärzten und bei der Koordination der Behandlung. Auch hier urteilen die Befragten überwiegend positiv. Nichtsdestotrotz werden Patienten im Arzt-Patienten-Gespräch zu selten dazu ermuntert an der Behandlungsentscheidung teilzuhaben (Shared Decision Making) oder Fragen zu stellen. Sind die Patienten mit den abgefragten Merkmalen der Struktur- und Prozessqualität zufrieden, hat dies positive Effekte für die Merkmale der Ergebnisqualität. Von besonderer Bedeutung für eine gute Ergebnisqualität hausärztlicher Versorgung ist die Arzt-Patienten-Kommunikation. An zweiter Stelle sind die Wartezeiten zu nennen.

Für eine gute Ergebnisqualität hausärztlicher Versorgung ist in erster Linie die Arzt-Patienten-Kommunikation von Bedeutung. Damit gewinnt das ärztliche Gespräch eine herausragende Bedeutung für das Wohlbefinden und die Genesung der Patienten. Die Kommunikation intensiver als bislang in Aus-, Fort- und Weiterbildung zu fördern, ist ein erster wesentlicher Schritt für eine gute Versorgung.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 4. - Wartezeiten und ihr Effekt auf die Arztzufriedenheit

    Bewertung der Arzt-Patienten-Kommunikation

    n > 1.162
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 2. - Arzt-Patienten-Kommunikation im Patientenurteil

    Arzt-Patienten-Kommunikation – Wartezeiten und ihr Effekt auf die Zufriedenheit mit dem Arzt

    Angaben in Prozent der Befragten
    Lesebeispiel: Bei einer negativen Bewertung der eigenen Arzt-Patienten-Kommunikation (dunkelblaue
    Säule ganz oben) sind 62 Prozent mit dem Arzt weniger zufrieden, 38 Prozent sind eher zufrieden.
    Wird die Kommunikation positiv bewertet (hellblaue Säule), artikulieren nur neun Prozent,
    dass sie mit dem Arzt weniger zufrieden sind, 91 Prozent sind eher zufrieden.