gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

"Früherkennung ist ein Angebot und keine Einberufung" : Ein Streitgespräch zwischen Ingrid Mühlhauser und Johannes Bruns, Moderation: Christian Weymayr

Die Zeiten in denen Krebsvorsorgeuntersuchungen unkritisch empfohlen wurden sind vorbei. Heute sollen die Bürger informiert, aber nicht überredet werden. Wie einig – oder uneinig – sind sich die Experten über die Entwicklung der Früherkennung in Deutschland?

Zum aktuellen Stand der Diskussion fand am 6. Februar 2014 ein Streitgespräch zum Thema Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennung in den Räumen der Bertelsmann Stiftung statt. Als Vertreterin einer kritischen Sichtweise auf die Früherkennung diskutierte die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg mit Dr. Johannes Bruns. Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft steht als Vertreter der ärztlichen Onkologie auf Seiten der Anbieter von Früherkennungsleistungen. Moderiert wurde das Gespräch von dem  Medizinjournalisten Christian Weymayr.

Im Mittelpunkt des Gesprächs zum Thema Früherkennung standen u.a. die Themen Früherkennungsprogramme, Patienteninformation, Qualitätssicherung, Überdiagnosen und  IGeL-Leistungen sowie der Nutzen und Schaden einzelner Maßnahmen zur Krebsfrüherkennung. Einleitend forderte der Moderator dazu auf, die Berechtigung verschiedener Vorsorgeuntersuchungen in der GKV zu bewerten. Welche Leistungen, die heute von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden, hätten gar nicht in den Leistungskatalog der GK aufgenommen werden sollen und welche sollten nach heutigem Stand wieder herausgenommen werden?  

In nicht wenigen Punkten ergab die Diskussion eine Übereinstimmung der Standpunkte der Diskussionskontrahenten. Beide Seiten sprachen sich dagegen aus, das Abtasten der Prostata und der Brust weiterhin als GKV-Leistung anzubieten. Außerdem herrschte Einigkeit darüber, dass das Angebot zur Prävention des Gebärmutterhalskrebses modifiziert und in ein qualitätsgesichertes Programm überführt werden sollte. Die HPV-Impfung erachten beide Positionen als sinnvoll. Nicht so die Früherkennungsmaßnahmen Darmspiegelung und Mammografie. Dr. Johannes Bruns möchte beide Untersuchungen als GKV-Leistung bewahren, während  Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser Vorbehalte äußerte. Auch beim Hautkrebsscreening sind sich die Experten uneinig.

Einigkeit herrschte wiederum beim Thema Patienteninformation: Die Bürger müssen über den Nutzen und das Risiko von Präventionsmaßnahmen ausgewogen informiert werden. Dies sollte jedoch nicht durch Ärzte geschehen, die die Präventionsleistungen selbst erbringen. Besonders die Gesundheitswissenschaftlerin verwies im Gespräch darauf, dass die Patienteninformation ein wesentlicher Bestandteil der Früherkennungsprogramme ist. Eine Qualitätssicherung zum Informationsprozess hält sie für sinnvoll. Es müsse dokumentiert und geprüft werden, ob die Patienten die Informationen zu einzelnen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen auch verstehen.