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Mammografie-Screening und informierte Entscheidung: mehr Fragen als Antworten

Brustkrebs ist die in Deutschland häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Regelmäßige Mammografie-Screenings sollen die Brustkrebssterblichkeit senken. Doch die bevölkerungsbezogenen Screenings bürgen Risiken, die in der Patienteninformation nur unklar thematisiert werden.

Bis heute ist strittig, ob organisierte Mammografie-Screenings die Sterblichkeit an Brustkrebs verringern. Wird der Brustkrebs bei einer Mammografie früh erkannt, verbessert dies die  Behandlungsmöglichkeiten im Einzelfall. Dennoch konnte die Häufigkeit von Spätstadien des Brustkrebses trotz organisierter Mammographie-Screenings nicht gesenkt werden. Hinzu kommen die Risiken des Screenings, die jede Frau bei ihrer Entscheidung für oder gegen die Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung abwägen sollte.

Der Beitrag "Mammografie-Screening und informierte Entscheidung: mehr Fragen als Antworten" untersucht, ob Frauen über ausreichendes Patientenwissen verfügen, um die Risiken und Chancen des Mammographie-Screenings sinnvoll einschätzen zu können. Entscheiden Frauen heutzutage angeregt durch die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion aufgeklärter und informierter als noch vor zehn Jahren?

Die Auswertung der Befragungsergebnisse zeigt: Anspruchsberechtigte Frauen ab 50 sind durch die Begleitmaterialien im Rahmen der organisierten Screenings nicht ausreichend über den Nutzen und die Risiken des Mammografie-Screenings informiert. Der maximale Nutzen des Mammographie-Screenings wird von den befragten Frauen noch immer um ein Vielfaches überschätzt, während das Schadenspotenzial stark unterschätzt wird. Viele Frauen glauben noch immer an einen Vorsorgeeffekt der Mammografie. Zudem unterschätzen die Frauen massiv das Risiko unnötiger Untersuchungen und Behandlungen durch falsch-positive Ergebnisse. Trotz offenkundiger Wissenslücken und Fehleinschätzungen fühlen sich besonders ältere Frauen gut über den Nutzen und die Risiken einer Teilnahme an der Früherkennungs-Mammografie informiert. Nur sehr wenige Frauen erleben die Einladung zum Mammografie-Screening als unerwünscht. Häufig sind Zeitprobleme eine Ursache dafür, nicht am organisierten Screening teilzunehmen. Die Untersuchung wird dann von einem Arzt beziehungsweise einer Ärztin der Wahl durchgeführt. Bei knapp 20 Prozent der Frauen geschieht dies bereits weit vor dem 50 Lebensjahr. Erfahrungen mit Brustkrebs in der Familie und dem persönlichen Umfeld haben stärkeren Einfluss auf die Einstellung zum Mammografie-Screening als Statistiken und Patienteninformationen. So können auch Frauen, die nach eigener Angabe nicht über Nutzen und Schaden der Untersuchung informiert sind, durch persönliches Erleben vom Nutzen des Screenings überzeugt sein.

Wichtige zentrale Voraussetzungen für eine informierte Entscheidung zum Thema Brustkrebs-Screening fehlten bei einem Großteil der befragten Frauen. Die in Deutschland bis heute gängige Kopplung von Aufklärung und Einladung entspricht nicht den internationalen Standards und scheint der Aufgabe anspruchsberechtigte Frauen zu einer informierten Entscheidung zu verhelfen nicht gerecht zu werden. Zukünftig sollte hier weniger eine Zunahme der Beteiligung im Fokus stehen, als vielmehr die Steigerung informierter Entscheidungen für oder gegen die Teilnahme am Mammografie-Screening.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 8. - Früherkennungs-Mammografie: Wie gut fühlen sich Patientinnen informiert?

    Relevanz unterschiedlicher Informationsbereiche im Mammografie-Screening

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 7. -Risikeneinschätzung des Mammografie-Screenings

    Subjektive Einschätzung der Frauen zu möglichen Risiken bei der Teilnahme am Mammografie-Screening

    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 10. - Informationsbedürfnis der Frauen zur Früherkennungs-Mammografie

    »Wie fühlen Sie sich bislang über den Nutzen und mögliche unangenehme Folgen/Nebenwirkungen bei der Teilnahme an der Früherkennungs-Mammografie informiert?«

    n = 1.795
    Angaben in Prozent der Befragten

Downloads zur Studie

Mammografie-Screening und informierte Entscheidung - mehr Fragen als Antworten

Mammografie-Screening und informierte Entscheidung - mehr Fragen als Antworten
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