gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Politische Implikationen des demographischen Wandels für das Gesundheitssystem

Der demographische Wandel spielt für das Gesundheitswesen in zwei Bereichen eine wesentliche Rolle: auf der Finanzierungsseite, da bisher vor allem die Er­werbstätigen beitragen, und auf der Ausgabenseite, da eine älter werdende Gesellschaft höhere Krankheitskosten mit sich bringen kann. Insbesondere der Aspekt der Generationengerechtigkeit wird in der Diskussion oftmals ausgeblendet. Der Artikel untersucht gesundheitsbezogene und gesundheitspolitische Unterschiede zwischen drei Alterskohorten.

Die Befragten unterscheiden sich in den Alterskohorten nur unwesentlich in der Wahrnehmung ihrer gesundheitlichen Versorgung und der damit verbundenen Belastungen. Je älter die Befragten, desto optimistischer sind sie hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der gesetz­lichen Krankenkassen und der Qualität der medizinischen Versorgung. Jüngere klagen häufiger über Informationsdefizite bzgl. ihrer Versorgung. Je älter die Befragten, desto größer sind die eigenen Anstrengungen zur Gesunderhaltung. Zwar spielt die Sorge um die Gesundheit die wichtigste Rolle bei allen Befragten, wenn es um Verhaltensänderungen geht, bei den Älteren wirkt aber auch häufiger der Hinweis des Arztes auf mögliche Risiken. Eine Kontrolle der präventiven Anstrengungen durch den Arzt begrüßen alle Befragten mehrheitlich. Eine Kürzung des Leistungsangebots oder höhere Belastungen der Versicherten werden von allen abgelehnt.

Prävention gehört bei einem an den Erfordernissen des demographischen Wandels orientierten Gesundheitswesen auf die Agenda. Rationalisierungspotentiale insbeson­dere an den Schnittstellen im Gesundheitswesen müssen gehoben werden. Leistungen könnten priorisiert werden, wenn Entscheidungen eindeutig und transparent getroffen werden können. Es muss über neue Konfliktregelungs- und Verteilungsmechanismen nachgedacht werden. Statt impliziter und damit zufälliger und heimlicher Rationierung muss die Politik offen über explizite Rationierungsmechanismen entscheiden und mithilfe von demokratisch legitimierten Entscheidungsprozessen prospektiv Politik gestalten, um das Gesundheitswesen der Zukunft auf die alternde Gesellschaft vorzubereiten.