gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Zwischen Steuerungswirkung und Sozialverträglichkeit - eine Zwischenbilanz zur Praxisgebühr aus Sicht der Versicherten

Seit 2004 wird mit Einführung der Praxisgebühr erstmals in Deutschland ein finanzieller Beitrag aller gesetzlich Versicherten für den Zugang zu ambulanten ärztlichen Leistungen eingefordert. Damit soll die im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Zahl ambulanter Arztbesuche gesenkt werden. Der Artikel untersucht, wie die Praxisgebühr das Verhalten der gesetzlich Versicherten beeinflusst und inwieweit Faktoren wie Einkommen, Alter oder Gesundheitszustand der Versicherten eine Rolle spielen.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen: Die Fallzahlquote bleibt relativ konstant; die Zahl der Praxiskontakte ist jedoch insbesondere bei den Internisten gesunken. Vor allem Patienten mit einer hohen Inanspruchnahme ärztlicher Versorgung gehen seltener zum Arzt, obwohl gerade für sie kein finanzieller Anreiz besteht, die Zahl der Arztkontakte zu reduzieren. Der Anteil derjenigen, die als Reaktion auf die Praxisgebühr einen Arztbesuch vermieden haben, liegt zunächst bei einem Drittel, sinkt dann aber auf ein Viertel. Häufiger werden nun Arztbesuche aufgeschoben oder sogar zusätzliche Arztbesuche gemacht. Immerhin noch 15 bis 20 Prozent der Versicherten mit einem schlechten Gesundheitszustand vermeiden Arztbesuche. Ob dies medizinisch notwendige Besuche waren, kann mit den Daten nicht beantwortet werden. Versicherte mit einem niedrigen Einkommen reagieren am stärksten auf die Einführung der Praxisgebühr. Auch bei den jüngeren Versicherten und den Unterschichtangehörigen ist eine Reduktion der Arztbesuche zu beobachten. Im Frühjahr 2005 sind aber schon wieder Gewöhnungseffekte zu beobachten. Die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitswesen nimmt mit Einführung der Praxisgebühr zu und auch die Höhe der Zuzahlungen wird von immer mehr Versicherten als zu hoch empfunden.

Daraus lässt sich folgendes schlussfolgern: Zwar greift die Praxisgebühr zunächst als Steuerungsinstrument, es lassen sich aber auch unerwünschte Nebenwirkungen beobachten. Es muss beobachtet werden, inwieweit Härtefallregelungen auch wirklich greifen und ob die reduzierte Inanspruchnahme von sozial Schwachen und Kranken von Dauer ist. Zukünftige Untersuchungen müssen versuchen herauszufinden, ob medizinisch notwendige oder überflüssige Arztbesuche vermieden werden, denn nur so lässt sich die Frage beantworten, ob die Praxisgebühr bestehende Überversorgung vermeidet oder ob sie eine Unterversorgung begünstigt.