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Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Zusatzangebote in der Schwangerschaft: Sichere Rundum-Versorgung oder Geschäft mit der Unsicherheit?

Die Inhalte der ärztlichen Schwangerenvorsorge sind durch die Mutterschafts-Richtlinien geregelt. Schwangere Frauen werden jedoch oft über das darin festgelegte Maß hinaus versorgt und bekommen besonders häufig individuelle Gesundheitsleistungen angeboten. Wie groß ist das Ausmaß der Inanspruchnahme von solchen Leistungen, was sind die Gründe und inwiefern fühlen sich Frauen über Nutzen und Grenzen zusätzlicher Leistungen aufgeklärt?

Die Vorgehensweise zur ärztlichen Betreuung in der Schwangerschaft ist in den von Ärztekammer und Krankenkassen gemeinsam festgelegten Mutterschafts-Richtlinien (MSR) festgelegt. Heutzutage kann jedoch nur noch in wenigen Fällen von einer Betreuung gemäß dieser Richtlinien ausgegangen werden. So werden bei einer Vielzahl von Schwangeren routinemäßig kardiotokografische Untersuchungen (CTGs) und mehr als drei Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, obwohl diese Maßnahmen laut MSR nur bei speziellen Indikationen empfohlen werden. Schwangere bekommen zudem besonders häufig individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) wie spezielle Blutuntersuchungen, 3D/4D-Ultraschall, oder geburtsvorbereitende Akupunktur angeboten.

Der Beitrag „Zusatzangebote in der Schwangerschaft: Sichere Rundum-Versorgung oder Geschäft mit der Unsicherheit?“ untersucht das Ausmaß und die Gründe der Inanspruchnahme solcher Leistungen und geht auch der Frage nach soziodemografischen und sozioökonomischen Einflussgrößen auf das Inanspruchnahmeverhalten nach.

Die Umfrage zeigt, dass fast alle Frauen (99 Prozent) Präventionsmaßnahmen außerhalb der MSR in Anspruch genommen haben. Als Spitzenreiter stellt sich dabei die kardiotokografische Untersuchung heraus: Bei 96 Prozent der Schwangeren wurde ein CTG angeboten und auch durchgeführt. Selbst Frauen ohne speziellen Befund erhielten im Mittel 4,6 CTG-Kontrollen. Knapp die Hälfte (49 %) der Schwangeren mit unbelasteter Schwangerschaft hatten mehr als fünf Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft. Auch spezielle Blutuntersuchungen und ein Abstrich auf β-Streptokokken wurde drei Vierteln der Schwangeren angeboten und durchgeführt. Vier von fünf Frauen haben für die Durchführung zusätzlicher Maßnahmen (Zu-)Zahlungen geleistet. Soziodemografische und sozioökonomische Faktoren wie Alter, Bildungsstand und Einkommen hatten im Gegensatz zu anderen Bereichen der Prävention keinen nennenswerten Einfluss auf die Inanspruchnahme und die Zahlungsbereitschaft bei zusätzlichen Maßnahmen in der Schwangerenvorsorge.

Bei den Fragen nach den Gründen für die Inanspruchnahme zeigt sich, dass viele Frauen sich nicht bewusst darüber sind, dass die von ihnen in Anspruch genommenen Leistungen nicht zwingend Bestandteil der Schwangerenvorsorge im Rahmen der MRS sind. So gaben über 90 Prozent an, dass CTG-Kontrollen zur Routine der Vorsorge gehören, mehr als 30 Prozent sagen dies für spezielle Blutuntersuchungen und den Abstrich auf β-Streptokokken. Es zeigt sich allerdings auch, dass Leistungen explizit von Schwangeren eingefordert werden. So wurden bei knapp 40 Prozent auf eigenen Wunsch zusätzliche Ultraschalluntersuchungen und bei mehr als 30 Prozent 3D/4D-Ultraschalls durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem mögliche Defizite im Bereich Aufklärung auf: Durchschnittlich nur knapp die Hälfte der Frauen fühlt sich über die Aussagekraft und Wirkungsweise der angebotenen Leistungen sehr gut aufgeklärt.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abbildung 3: Angebot und Durchführung von Präventionsmaßnahmen

    Angebot und Durchführung von Präventionsmaßnahmen

    Angaben in Prozent der Befragten
    n = 1.293
  • Abbildung 8: Wie gut fühlen Sie sich über die mögliche Aussagekraft/Wirkungsweise aufgeklärt?

    Wie gut fühlen Sie sich über die mögliche Aussagekraft/Wirkungsweise aufgeklärt?

    Angaben in Prozent der Befragten
    n = 18 bis 1.235
  • Tabelle 2: Angabe von Gründen für die Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen in Prozent

    image Tabelle 2: Angabe von Gründen für die Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen in Prozent