gesundheitsmonitor
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Wie bewerten Patienten Qualität in der ambulanten Versorgung?

Für die Bewertung medizinischer Versorgungsqualität werden zunehmend auch die subjektiven Qualitätsindikatoren der Patienten berücksichtigt. Die Qualität der Versorgung soll auch an den Bedürfnissen, Ansprüchen und Erwartungen der Patienten gemessen werden. Der Beitrag untersucht, welche Kriterien der Qualitätsbewertung den Patienten wichtig sind.

Im Rahmen klassischer medizinischer Qualitätssicherung liegt eine optimale Versorgungsqualität dann vor, wenn die Behandlung nach prüfbaren Regeln und dem aktuellen medizinischen Kenntnisstand erfolgt. Die Patientensicht bleibt hier unberücksichtigt, obgleich sie für die Gesamtbewertung medizinischer Leistungen von Bedeutung sein sollte.Schließlich erlebt der Patient den gesamten Behandlungsprozess, also sowohl Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.

Der Beitrag "Wie bewerten Patienten die Qualität in der ambulanten Versorgung?" betrachtet die Versorgungsqualität aus der Sicht der Versicherten.Anhand der Befragungsergebnisse von 1482 Versicherten wird analysiert, wie sich gute oder schlechte Erfahrungen im Versorgungsalltag auf die subjektive Einschätzung der Versorgungsqualität auswirken.

Die Auswertung der Befragungsdaten zeigt: Ein nicht unerheblicher Anteil der Befragten berichtet von negativen Erfahrungen in der erlebten Versorgungsqualität. Rund 22 Prozent der Versicherten geben an, in den letzten 12 Monaten schon einmal mit der Diagnose oder Behandlung des Hausarztes nicht einverstanden gewesen zu sein. Davon mit 61 Prozent überwiegend Frauen.

Erleben Versicherte subjektiv schlechte Qualität, bewerten sie sowohl die psychosoziale Betreuung als auch die fachliche Qualität der ambulanten Versorgung in der Folge schlechter als die Vergleichsgruppe ohne schlechte Erfahrung. So berichten fast 36 Prozent der Befragten mit schlechten Erfahrungen, dass ihnen der Arzt nicht ausreichend zugehört habe. In der Vergleichsgruppe ohne schlechte Erfahrungen sind dies nur 12 Prozent. Weitere 49 Prozent beklagen, der Hausarzt habe die Therapie nicht ausreichend mit ihnen abgesprochen oder im Vorfeld nicht genügend über die Erkrankung aufgeklärt. Einen besonders starken Einfluss auf die Bewertung der Versorgungsqualität hinterlässt bei Patienten der Eindruck, die fachliche Qualität ihres Arztes sei nicht ausreichend oder der Arzt habe den Patienten nicht gründlich genug untersucht. Viele Patienten, die schlechte Qualität erlebt haben, fühlen sich weniger von ihrem behandelten Hausarzt ernst genommen. Fast 59 Prozent berichten, schon mindestens einmal nicht gründlich genug untersucht worden zu sein. Die unmittelbare Folge einer erlebten schlechten Versorgungsqualität ist eine Verschlechterung des Arzt-Patienten-Verhältnisses bis hin zum Arztwechsel.