gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Wartezeiten für die fachärztliche Behandlung – Hinweise auf regionale Über- oder Unterversorgung

Es bestehen erhebliche regionale Unterschiede in der Versor­gungsdichte. Der Artikel untersucht, ob Über-, Unter- oder Fehlversorgung in der fachärzt­lich-ambulanten Versorgung festgestellt werden können, ob Wartezeiten hier als Indikator dienen, ob Strukturdaten zur Beurteilung der Versorgungsituation herangezogen werden können und wie Versicherte diese Unterschiede bewerten. Darüber hinaus wird versucht, die Versorgungsunter­schiede einzuordnen und sie unter dem Aspekt der Bedarfsgerechtigkeit zu hinterfragen.

Die regionalen Unterschiede variieren im Extremfall zwischen 1 und 19 Ärzten pro 100 000 Einwohnern - insbesondere bei Anästhesisten, Psychotherapeuten, Internisten, Chirurgen, Hautärzten, Nervenärzten, Radiologen und Urologen. Die Variationen in der Grund­versorgung sind deutlich geringer. Je kleiner der Wohnort, desto größer ist die Wartezeit auf einen Facharzttermin. In Großstädten oder dicht versorgten Gebieten gehen mehr Patienten ohne Überweisung direkt zum Facharzt, sie haben auch allgemein einen leichteren Zugang zum Facharzt. Auch die Wartezeit in der Praxis ist für Patienten, die in einer Großstadt leben, kürzer. Der Trend zu einem geringeren Zugang zu Fachärzten in den schwach versorgten Gebieten zeigt sich besonders bei den Neurologen, Orthopäden, Radiologen, Internisten und Urologen. Der Anteil derjenigen, die in den letzten 12 Monaten im Krankenhaus waren, ist in schwach versorg­ten Regionen drei Prozentpunkte höher als in dicht versorgten Regionen. Der Allgemeinarzt wird in schwach versorgten Regionen häufiger aufgesucht.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse weisen auf eine starke Abhängigkeit der Leistungs­inanspruchnahme von der Struktur der fachärztlichen Versorgung hin. Die Entwicklung der flächendeckenden fachärztlichen Versorgung muss beobachtet werden. Neben Zahlen zur ärztlichen Dichte werden Qualitätsindikatoren benötigt, um strukturelle Qualitätsdefizite aufzudecken. Eine stärkere Orientierung an der Zahler- und Nutzerperspektive wäre wünschenswert.