gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Vergleich der Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten in der ambulanten Versorgung

Gesetzlich Versicherte müssen in der ambulanten Versorgung mit längeren Wartezeiten rechnen. Sind kürzere Wartezeiten ein Komfortmerkmal der PKV oder verbirgt sich dahinter eine Zwei-Klassen-Versorgung zum Nachteil gesetzlich Versicherter?

Längere Wartezeiten für gesetzlich Versicherte im Vorfeld eines Termins beim Haus- und Facharzt oder im Wartezimmer werden gemeinhin als ungerecht empfunden. Umstritten ist jedoch, ob es sich bei ungleichen Wartezeiten um eine aus medizinischer Sicht qualitative Ungleichbehandlung handelt. Dies wäre der Fall, wenn eine spätere Behandlung sich nachteilig auf die Gesundheit der Patienten auswirkt.

Der Beitrag "Vergleich der Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten in der ambulanten ärztlichen Versorgung" analysiert die Auswirkungen langer Wartezeiten auf die Patientenzufriedenheit. Wie ausgeprägt ist die Ungleichbehandlung von Versichertengruppen in der ambulanten Versorgung und nehmen Patienten negative Folgen für Ihre Gesundheit wahr?

Die Analyse der Befragungsergebnisse zeigt: Auf einen Termin beim Hausarzt warten beide Versichertengruppen gleich lang, nämlich im Schnitt etwa einen Tag. Während ein PKV-Versicherter jedoch im Durchschnitt 21 Minuten im Wartezimmer des Hausarztes verbringt, wartet ein gesetzlich Versicherter hier durchschnittlich 11 Minuten länger. Die Patientenzufriedenheit wird durch Wartezeiten in der Hausarztpraxis entsprechend schwach beeinflusst. Hier sind Faktoren wie das Arzt-Patienten-Verhältnis ausschlaggebend. In der hausärztlichen Versorgung kann folglich nicht von einer gesundheitsrelevanten Ungleichbehandlung von GKV- und PKV-Versicherten gesprochen werden.

Deutlicher sind die Unterschiede in der ambulanten Facharztversorgung. Auf einen Termin beim Spezialisten wartet der Privatversicherte viereinhalb Tage; der gesetzlich Versicherte etwa zehneinhalb Tage. In der Facharztpraxis beträgt die Wartezeit für den Privatpatienten mit 22 Minuten bis zu 17 Minuten weniger als für den Kassenpatienten. Chronisch Kranke warten im Durchschnitt ebenfalls rund zwei Tage länger, Behinderungen gehen mit einer früheren Terminvergabe einher. Männer erhalten sowohl beim Fach- als auch beim Hausarzt einen Tag früher einen Termin als Frauen. Von jenen Patienten, die auf einen Termin beim Haus- oder Facharzt warten mussten, berichteten 10 bzw. 15 Prozent von negativen gesundheitlichen Folgen.

Wartezeiten auf einen Termin und in der Praxis sind keine Indikatoren für eine aus medizinischer Sicht qualitative Ungleichbehandlung. Zwar zeigt sich beim Besuch von Fachärzten auch bei den Wartezeiten auf einen Termin ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Versichertengruppen. Ein Unterschied zwischen GKV- und PKV- Versicherten bezüglich der negativen Folgen von Wartezeiten konnte jedoch nicht festgestellt werden.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 1: Wartezeit auf Termin

    Wartezeit auf Termin

    Test auf gleiche Mittelwerte: *nicht signifikant; **p<0,01
  • Abb. 2: Wartezeit in der Praxis

    Wartezeit auf in der Praxis

    Test auf gleiche Mittelwerte: *p<0,01