gesundheitsmonitor
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Verbesserung der Chronikerversorgung: Welchen Einfluss haben DMP und Hausarztmodelle?

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen ab 2009 stellt sich die Frage nach der Zukunft neuer Versorgungsformen wie DMP und Hausarztmodelle. Welchen Einfluss diese Programme auf die Versicherten nehmen, wird anhand eines Vergleichs zwischen Teilnehmern eines DMP beziehungsweise eines Hausarztmodells mit Nichtteilnehmern untersucht. Analysiert werden zudem die Wechselwirkungen beider Versorgungsformen.

In den letzten Jahren sind in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verschiedene Regelungen zur Förderung "neuer Versorgungsformen" in Kraft getreten. Gemessen an der Teilnehmerzahl sind "Strukturierte Behandlungsprogramme (DMP)" sowie verschiedene Modelle zur hausarztzentrierten Versorgung am bedeutsamsten. Das wichtigste Ziel: die Optimierung der Versorgung chronisch Kranker. Ab 2009 läuft die Kopplung der DMP an den Risikostrukturausgleich in der bisherigen Form und der Anschubfinanzierung zu integrierten Versorgung aus. Zeitgleich wird der Gesundheitsfond eingeführt. Kritiker sehen die Gefahr, dass neue Versorgungsformen dem Kostendruck oder dem Kassenwettbewerb zum Opfer fallen könnten. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Artikel "Verbesserung der Chronikerversorgung - welchen Einfluss haben DMP und Hausarztmodelle?" mit der Frage nach dem Nutzen und der Akzeptanz der DMP sowie der hausarztzentrierten Versorgung.

Befragt wurden gesetzlich Versicherte, die eine DMP-relevante Erkrankung aufweisen. Zum Zeitpunkt der Befragung nahmen 58 Prozent an einem DMP oder an einem Hausarztmodell teil, wovon rund 50 Prozent sogenannte "Doppelteilnehmer" waren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer beider Versorgungsformen und insbesondere DMP-Teilnehmer ihren Gesundheitszustand schlechter einschätzen. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu früheren Auswertungen. Gründe dafür könnten in der größeren Stichprobe und einem breiterem Betrachtungsansatz liegen. Zum anderen könnte dies auch ein Hinweis für eine Trendwende in den letzten Jahren im Einschreibeverhalten der Versicherten und Ärzte sein. Hinsichtlich der Inanspruchnahme zeigt sich, dass Programmteilnehmer mehr Hausarzt- und Facharztbesuche machen als Nichtteilnehmer. Die höchste Besuchsfrequenz weisen dabei die Doppelteilnehmer auf. Gleichzeitig sind das Vertrauen zum Arzt, die Zufriedenheit mit der Praxis sowie die Informationsqualität aus Sicht der Patienten unter den Programmteilnehmern durchgängig höher als bei Nichtteilnehmern: Sie fühlen sich häufiger von ihrem Arzt ausreichend informiert, geben häufiger an, an Entscheidungen hinsichtlich ihrer Behandlung beteiligt zu werden und dass diese Beteiligung ihren Bedürfnissen entspricht. Die guten Werte im Hinblick auf die wahrgenommene Qualität und Zufriedenheit zeigen sich nach Angaben der Befragten auch im zeitlichen Verlauf. Seit Beginn der Teilnahme an einem DMP fühlen sich 30 % der Befragten besser versorgt. Bei Teilnehmern an einem Hausarztmodell zeigt sich die Tendenz mit 15 % weniger ausgeprägt. Bemerkenswert ist, dass unter den Hausarztmodell-Teilnehmern jene Versicherte, die auch an einem DMP teilnehmen deutlich häufiger angeben, dass sie sich seit der Teilnahme am Hausarztmodell besser versorgt fühlten. Erstaunlich ist auch, dass diese häufiger dem DMP als dem Hausarztmodell zugeschrieben werden.

Die Studienergebnisse geben wichtige Hinweise auf eine hohe Akzeptanz der neuen Versorgungsformen bei chronisch kranken Versicherten. Die Autorin betont, dass insbesondere die DMP zu einer weiteren Verbreitung wichtiger Standards einer guten Chroniker-Versorgung beigetragen haben. Aus gesundheitspolitischer Sicht sollte daher ein großes Interesse an Erhaltung und Ausbau neuer Versorgungsformen für chronisch Kranke bestehen.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Tabelle 1: Chronische Erkrankungen, deretwegen mindestens einmal im Quartal ärztliche Hilfe benötigt wird oder regelmäßig Medikamente eingenommen werden

    image Tabelle 1: Chronische Erkrankungen, deretwegen mindestens einmal im Quartal ärztliche Hilfe benötigt wird oder regelmäßig Medikamente eingenommen werden
  • Abb. 2: Angaben zum Arzt-Patienten-Verhältnis bei Chronikern

    Angaben zum Arzt-Patienten-Verhältnis bei Chronikern

    (Skalenwerte: 1 = überhaupt nicht; 6 = voll und ganz)
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