gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Unterschiede und Ähnlichkeiten im Ost-West-Vergleich

12 Jahre nach dem Ende der DDR werden einstige Unter­schiede zwischen ost- und westdeutschen Bürgern zunehmend verwischt. Dennoch besteht in den ostdeutschen Bundesländern aufgrund der Erfahrungen mit einem vernetzten und integrier­ten, aber unter Mangelwirtschaft leidenden Gesundheitswesen eine andere Erwartungshaltung. Untersucht werden die Betreuungserwartungen, die Sensibilität gegenüber finanziellen Proble­men des Gesundheitswesens und die Prägung von Solidaritätsvorstellungen. Dabei wird über­prüft, ob der Einfluss der sozialen Schicht oder der Hintergrund der DDR-Erfahrungen stärker ist.

Die Befragten in Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes, wohl aber hinsichtlich ihrer sozialen Schichtung - insbesondere im Einkommen. An vielen Punkten fällt ein ausgeprägtes Vertrauensklima zwischen ostdeutschen Patienten und Ärzten auf. Kommunikation und Koordination, sowie der Umgang mit knappen Ressourcen unterscheiden sich wenig. Westdeutsche Patienten haben häufiger einen Dissens mit ihrem Hausarzt. Ostdeutsche über 50 Jahren haben häufiger Compliance-Probleme. Unter 30jährige in Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich kaum noch. Die Sorgen der Ostdeut­schen um zukünftige Kosten und Qualität der Gesundheitsversorgung, sowie die Offenheit gegenüber einem Hausarztmodell sind größer; die Ablehnung von mehr finanziellen Beteiligun­gen ist höher. Der Einfluss der sozialen Schichtzugehörigkeit ist größer als derjenige der Ost-West-Differenz, dennoch ist ein Teil des Vertrauenspotentials der ostdeutschen Befragten auf die Erfahrungen mit dem DDR-Gesundheitswesen bzw. der DDR-Gesellschaft zurückzuführen. Die Unterstützung von solidarischen Umverteilungsmechanismen ist in Ostdeutschland geringer, auch dies ist sowohl auf soziale Unterschiede wie auch auf den anderen Erfahrungshintergrund zurückzuführen.

Gesundheitliche Lage und Inanspruchnahme unterscheiden sich wenig im Ost-West-Vergleich. Ärzte haben im Osten einen höheren Stellenwert. In Ostdeutschland herrscht ein geringer ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis vor. Nicht alle Ost-West-Unter­schiede sind auf die Schichtzugehörigkeit zurückzuführen. Materielle Aspekte, Erwartungen und Befürchtungen spielen bei den ostdeutschen Befragten eine größere Rolle. Die Offenheit gegen­über neuen, vernetzteren Strukturen im Gesundheitswesen ist im Osten größer.