gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Qualitätsmanagement und Einzelverträge - die Position der Ärzte

Im ambulanten Bereich besteht zwar noch keine Verpflichtung zur Qualitätssicherung wie im stationären Bereich, aber dennoch gibt es viele einzelne Initiativen. Es wird untersucht, wie die niedergelassenen Ärzte zu Maßnahmen des Qualitätsmanagements stehen, welche Hindernisse sie sehen und unter welchen Bedingungen sie verschiedene Instrumente nutzen würden.

Die Haltung der Ärzte ist stark von der Erwartung einer negativen Kosten-Nutzen-Bilanz geprägt. Insbesondere ist einem großen Teil der Ärzte der Nutzen nicht klar. Leitlinien zur Behandlung würden mehrheitlich akzeptiert. Eine Gefährdung der ärztlichen Freiheit wird nicht befürchtet. Befürworter von Qualitätsmanagement sind eher Ärzte in Gruppenpraxen, mit höhe­rem Scheinaufkommen oder westdeutsche Ärzte. Zu den am häufigsten genannten Bedingungen für eine Einführung von QM gehören die freie Entscheidung des Arztes, brauchbare Informa­tionen über Nutzen und Ziele, eine ergänzende Weiterbildung über Ansätze und Methoden sowie praktische Hilfen von Seiten der Selbstverwaltung. Hier sehen die Ärzte vor allem die Berufs­verbände in der Pflicht. Das Konzept der Einzelverträge der Ärzte mit den Krankenkassen wird mehrheitlich und deutlich abgelehnt. Lediglich Ärzte aus größeren Praxen sind hier etwas offener. Voraussetzung wäre hier der Erhalt des finanziellen Status quo: durch die Berücksichtigung von Praxisbesonderheiten, die Berücksichtigung der Qualität, einen stabilen Punktwert oder einen Gruppenvertrag. 8 bis 12 Prozent der befragten Ärzte wären sogar bereit, bei der Vergütung durch einen Festbetrag pro Patient oder für ein Festgehalt mit Krankenkassen Einzelverträge abzuschließen.

Die Ärzteschaft ist im Bereich Qualitätsmanagement gesprächsbereit. Dennoch ist hier noch sehr viel Überzeugungsarbeit nötig. Leitlinien wären einfacher einzuführen als Maßnahmen, die in die ärztliche Praxis stärker eingreifen. Insbesondere der Nutzen von QM muss erst herausgearbeitet werden. Im Bereich der Vertragsgestaltung sind die Ärzte zurück­haltend gegenüber den derzeit diskutierten Optionen. Besitzstandswahrung kennzeichnet die Haltung der Ärzte. Es gibt aber auch eine kleine Minderheit, die gegenüber einer radikalen Neu­gestaltung offen ist. Veränderungen in beiden Bereichen funktionieren eher in kooperativen Praxisformen mit einer großen Patientenkartei als in kleinen Einzelpraxen, die um ihr Überleben kämpfen müssen.