gesundheitsmonitor
Das Gesundheitssystem aus Sicht der Bürger

Professionelle Pflege - Anforderungen, Inanspruchnahme und zukünftige Entwicklungen

Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen durch die demografische Entwicklung, die Zunahme von Multimorbidität und den Anstieg gerontopsychiatrischer Erkrankungen steigen wird. Der Artikel untersucht die Anforderungen der Menschen an ihre (mögliche) Pflege und die Erfahrungen, die die Menschen selbst oder durch zu pflegende Angehörigen gemacht haben.

 

Zwischen 40 und 50 Jahren beginnt für die Befragten die Lebensphase, in der sie sich verstärkt mit eigenen gesundheitlichen Problemen beschäftigen müssen. Dennoch beschäftigen sich die Befragten eher wenig mit der eigenen möglichen Pflegebedürftigkeit. –selbst wenn sie älter sind. Wenn sie sich mit dem Thema auseinandersetzen, stehen vor allem Lösungen für die Pflege im eigenen Haushalt im Vordergrund. Die Befragten sehen mehrheitlich die Pflege als die Aufgabe der Familie – insbesondere wenn Kinder im Haushalt leben. 27 Prozent der Befragten haben einen Pflegefall in der eigenen Familie; diese Pflege findet bei 60 Prozent der Betroffenen nicht im eigenen Haushalt statt. Diejenigen, die Angehörige pflegen, fühlen sich dadurch eher weniger belastet. Nur für jüngere Menschen bedeutet die Pflege von Angehörigen eine deutliche Belastung – diese sind oftmals durch Beruf und Familie schon sehr belastet. Die Befragten berichten von erheblichen Informationsdefiziten über die Pflege von Angehörigen – insbesondere diejenigen, die Angehörige mit Pflegestufe 2 oder 3 versorgen. Die Zahlungsbereitschaft für professionelle Pflege im eigenen Haushalt ist hoch, kann aber womöglich nicht die entstehenden Kosten decken.

Es muss über neue Aufgaben und Strukturen der Pflege nachgedacht werden. Ein Pflegekoordinator könnte professioneller Ansprechpartner für die Versicherten sein. Dieser wäre dafür zuständig, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. zu verzögern, die passgenaue Pflegesituation zu organisieren und das nötige Ausmaß der Pflege zu bestimmen. Dafür wären präventive Hausbesuche notwendig. Es gibt einen enormen Aufklärungs- und Informationsbedarf auf Seiten der Bevölkerung. Auch hier kann der Pflegekoordinator als Partner des Hausarztes informieren und begleiten.