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Polypharmazie - wie beurteilen Patienten die Medikamentenverschreibung der Ärzte?

Besonders ältere Menschen werden häufig von mehreren Fachärzten mit unterschiedlichen Medikamenten behandelt. Bei fehlender Kooperation zwischen den Ärzten kann es schlimmstenfalls zu Doppelverordnungen und Fehldosierungen kommen. Die  Studie untersucht, wie die Mehrfachmedikation sicherer gestaltet werden kann.

Der Anteil älterer Menschen in Deutschland wird in den nächsten Jahren stark ansteigen. Mit der höheren Alterserwartung der Menschen steigt auch die Zahl jener Patienten, die an Mehrfacherkrankungen leiden und daher dauerhaft mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Besonders bei Senioren ist die Mehrfachmedikation oder Polypharmazie risikoreich, da die Funktionsfähigkeit von Leber und Niere im Alter abnimmt und chemische Stoffe langsamer abgebaut werden. Als Folge reagieren Senioren empfindlicher und sind anfälliger für unerwünschte Arzneimittelereignisse.

Der Beitrag „Polypharmazie – wie beurteilen Patienten die Medikamentenverschreibung der Ärzte?“ stellt anhand einer Patientenumfrage dar, welche Bevölkerungsgruppe besonders von Polypharmazie betroffen ist und welche Erwartungen diese Gruppe an Arzt und Apotheker stellt. Ergänzt wird die Auswertung durch Ergebnisse des »Unabhängigen Arzneimittelberatungsdienstes für Patienten« am Institut für Klinische Pharmakologie der Technischen Universität Dresden. Anhand der Befragungsergebnisse wird die  herausragende Rolle des Hausarztes für eine sinnvolle polypharmazeutische Therapie deutlich.

Die Experten ermittelten anhand der Befragungsergebnisse, dass die Wahrscheinlichkeit längerfristig mit fünf oder mehr Medikamenten versorgt zu werden, besonders bei älteren Männern und chronisch Kranken hoch ist. Sehr wahrscheinlich ist eine Mehrfachmedikation wenn die Patienten aufgrund einer Mehrfacherkrankung von unterschiedlichen Fachärzten betreut werden. Bestehende Befürchtungen, dass zwischen mehreren behandelnden Fachärzten ein mangelnder Informationsaustausch besteht, bestätigten sich jedoch nicht. Drei Viertel der Befragten gaben an, ihre Ärzte wüssten, welche Medikamente ihnen von anderen Ärzten verschrieben wurden.

Bei der Frage, ob Ärzte zu schnell und häufig Medikamente verschreiben, waren überaschenderweise besonders Patienten mit Mehrfachmediakation vom Gegenteil überzeugt. Auch glaubten sie nicht, dass Naturheilmittel sanfter seien als konventionelle Mittel oder dass es ihnen helfen würde, wenn sich ihr Arzt mehr Zeit für sie nähme. Diesen Annahmen stimmten stattdessen jene Befragten zu, die weniger und seltener Medikamente einnehmen. Offenbar hängt dies damit zusammen, dass zwischen polypharmazeutisch versorgten Patienten und ihrem Hausarzt eine besonders enge Beziehung besteht: Sie gehen überproportional häufig zum Arzt und haben deutlich längere Behandlungsgespräche. Positiv zu bewerten ist daher, dass Menschen mit Mehrfachmedikation die Qualität des Arztgespräches sehr gut einschätzen. Tatsächlich empfinden sie ihre Behandlung im Vergleich als angemessener als jene Befragten, die weniger oder noch nicht so lange Medikamente einnahmen. Nichtsdestotrotz ergab die Auswertung der Umfragewerte, dass Patienten mit komplexer Arzneimitteltherapie mehr Sorgen und Ängste bezüglich ihrer Medikamente und damit ein besonders hohes Beratungsbedürfnis haben. Die Experten plädieren für ein besseres Zeitmanagement, um die Arzt-Patienten-Beziehung dementsprechend zu stärken.

Zahlen und Daten zur Studie

  • Abb. 2 - Mehrere Ärzte begünstigen Polypharmazie

    Anzahl verschreibungspflichtiger Arzneimittel in Abhängigkeit von der Anzahl verordnender Ärzte

    n=1.056; p0,000
    Angaben in Prozent der Befragten
  • Abb. 7 - Aussagen über die eigene Arzneimitteltherapie

    Aussagen über die eigene Arzneimitteltherapie

    *p kleiner-gleich 0,05
    Angaben in Prozent der Befragten
    Gruppiert nach Anzahl der einzunehmenden rezeptpflichtigen Arzneimittel
  • Excel_201104